Warsaw Spire 220 m

(Fast) der Höchste in Polen

Der Warsaw Spire ist mit seinen 220 Metern zwar das höchste Bürogebäude, doch dennoch nur das zweithöchste Gebäude in Warschau und Polen. Damit fiel der in unmittelbarer Nähe stehende Warsaw Trade Tower auf Platz 2 bzw. 3.

Den ersten Platz hinsichtlich der Gesamthöhe verteidigt immer noch der am 21. Juli 1955 eröffnete Kulturpalast mit seinen 237 Metern höhe. Doch auch er wird diesen Podiumsplatz bald abgegeben müssen, da seit Januar 2016 das höchste Gebäude in der EU gebaut wird. Der Varso Tower wird 310 Meter hoch.

Der Europäische Platz

Der Warsaw Spire ist kein einzelnes Gebäude, sondern ein Gebäudekomplex bestehend aus einem 220 Meter hohem Hauptturm und zwei 55 Meter hohen Nebengebäuden. Zwischen diesen drei Gebäuden wurde ein Platz angelegt, der im April 2014 auf Antrag der Baufirma Ghelamco vom Stadtrat den Namen Europäischer Platz (polnisch: Plac Europejski) erhielt. Von diesem Platz haben die Gebäude auch ihre Adressen. Ausgestattet wurde er mit 140 Bäumen, über 14.000 Pflanzen, einem Teich und einem 120 Meter langen Bach. Das grüne Projekt wurde von der Firma Wirtz International Landscape Architects ausgeführt. Es ist die erste Eröffnung eines Platzes dieser Größe in der Zeit nach dem 2. Weltkrieg.

Der Platz ist öffentlich zugänglich und vom Autoverkehr ausgeschlossen. In einer alten Lagerhalle an der Wronia-Straße hat sich das Restaurant Stixx Bar & Grill niedergelassen.

Die offizielle Eröffnung fand am 13. Mai 2016 statt – zwei Tage nach der offiziellen Eröffnung des Warsaw Spire.

Architekturprojekt

Das Projekt Warsaw Spire wurde vom belgischen Architekturbüro M. & J-M. Jaspers – J. Eyers & Partners i Zusammenarbeit mit dem polnisch-belgischen Büro Pracownia Architektury – Projekt entworfen.

Bauverlauf

Der belgische Investor Ghelamco Group hat für dieses Projekt ca. 250 Millionen Euro aufbieten müssen. Mitte 2011 wurde mit dem Bau begonnen. Zunächst musste ein Loch von 55 Meter Tiefe gegraben werden, was in Polen bis dato eine Rekordtiefe für eine Grabung dieser Art darstellt. Sie erlaubt es u.a. mehr als 1000 unterirdische Parkplätze für die Angestellten bereitzustellen.

Am 19. November 2013 wurde der Grundstein für den Hauptturm gelegt. Das Bautempo betrug 1 Stockwerk pro Woche. Insgesamt wurden 6 Baukrähne eingesetzt und es waren bis zu 1200 Bauarbeiter gleichzeitig im Einsatz.

Der Komplex sollte schon im 2. Quartal 2015 beendet worden sein. Der 220 Meter hohe Turm hingegen schon Ende 2014 / Anfang 2015. Derweilen hat er erst im Januar 2016 seine volle Höhe erreicht. Die Gründe dafür sind bisweilen unklar. Der Investor hat sich dazu ebenfalls noch nicht geäußert.

Am 11. Mai 2016 fand die Eröffnungszeremonie in Anwesenheit der Stadtpräsidentin statt.

Verwendetes Baumaterial

Für den Bau des Komplexes wurden über 120.000 Kubikmeter Beton verbraucht, womit man 40 olympische Schwimmbecken füllen könnte. Doch Beton allein reicht nicht. Des weiteren stützen 13.000 Tonnen Stahl (= 70 Jumbo Jets) das gigantische Projekt. Die Glasfläche beträgt 52.000 Quadratmeter, was 7 großflächigen Fußballfeldern entspricht. Für die Anlieferung der Baumaterialien wurden zum Teil täglich sogar 200 LKW-Lieferungen benötigt (Quelle: PropertyDesign/poln).

Brandzwischenfall

Am 3. Juli 2014 kam es auf einem der zwei Nebengebäude zu einem Brand des Isolationsmaterials. Niemand kam zu Schaden und der Bau kam dadurch nach offiziellen Angaben nicht in Verzug.

„Kocham Warszawę“ (I Love Warsaw)

In 160 Meter Höhe erschien auf der Außenfassade des Hauptturmes die Aufschrift „Kocham Warszawę“ – Ich liebe Warschau. Die Warschauer haben diese Idee sehr positiv aufgenommen. Mittlerweile erscheint die Aufschrift täglich und bewegt sich fließend um das Gebäude herum. Das soll die Gegend etwas großstädtischer wirken lassen. Ob es die Bewohner der umliegenden Wohngebäude stört – davon habe ich noch nichts mitbekommen. Wenn Sie also in der Nähe sind – einfach mal nach oben schauen.

Aktualisierung: Mittlerweile ändert sich regelmäßig der Inhalt der Aufschrift und informiert über aktuelle Ereignisse.

Innenarchitektur und Mieter

Der Investor Ghelamco hat im März 2017 Fotos des eigenen Büros auf den höchsten Etagen des Warsaw Spire präsentiert. Verantwortlicher Projektant ist Przemysław Mac Stopa und das Team von Massive Design. 

Auf www.propertydesign.pl gibt es eine Fotogalerie der futuristischen Einrichtung.

Ein weiterer Gigant ist die Firma JLL, welche im Warsaw Spire 8000 Quadrameter gemietet hat. Auf diese Weise kann JLL alle ihre Geschäftslinien unter einem Dach zusammenbringen. Diese sind JLL Polska, EMEA Corporate Solutions Centre of Excellence und European Finance Centre. Insgesamt werden ca. 700 Menschen eingestellt, die nach dem Konzept smart workplace concept Einfluß auf die Einrichtungen haben. Die Autoren dieses Konzeptes kommen von Tétris by Neo Świat. Dieses Konzept sieht unter anderem vor, dass den Angestellten eine Kletterwand und X-Box-Spielekonsolen zur Verfügung stehen. Zudem wurde ein Video-Konferenzraum konzipiert, welches die Personen, die den Raum betreten, von der Elektronik „beobachten“ lässt. Sobald jemand das Wort ergreift, wird er von der Kamera anvisiert und sein Gesicht wird auf einer Leinwand vergrößert.

Im März 2018 wurde bekannt gegeben, dass die Firma Hargraves Landsdown auf dem 34. Stockwerk ein Technologie-Zentrum eröffnet, welches IT-Lösungen erforscht und verbreitet. Das Büro wurde von Trzop Architekci entworfen. 50 Programmierer werden hier zunächst arbeiten. Später will Hargraves Landsdown noch ein weiteres Stockwerk mieten.

Firmen und Institutionen im Warsaw Spire (Stand: März 2018)

Europäische Agentur für die Grenz- und Küstenwache / Europejska Agencja Straży Granicznej i Przybrzeżnej / European Border and Coast Guard Agency / kurz: FRONTEX
BNP Paribas Securities Services SKA Oddział w Polsce
Benefit Systems SA
Bilfinger HSG Facility Management
Samsung
Centrum Unijnych Projektów Transportowych
Adecco Poland
Hargraves Landsdown

Vermietung der Büroräume

Im alljährlichen Bericht des Konzerns Ghelamco wurden auch Zahlen über die vermieteten Flächen präsentiert. Im Warsaw Spire sind mittlerweile 90 Prozent der Flächen vermietet. Weitere 9 Prozent befinden sich im Verhandlungsstatus.*

*Stand April 2017 – Quelle: www.propertynews.pl (Link zum Artikel – PL)

Umgebung

Der Warsaw Spire befindet sich ca. 2 Kilometer Luftlinie vom Kulturpalast 237m entfernt. Das Stadtviertel heißt Wola und liegt westlich vom Stadtzentrum. Wola ist in Warschau bekannt als das Industriezentrum der Stadt vor und nach dem 2. Weltkrieg. Es gibt hier viele alte Fabrikhallen, Brauereien und Druckereien, wovon eine von Ghelamco aufgekauft wurde, um auf deren Grundstück den Warsaw Spire aufzustellen. Die Druckerei hieß Bellona. Eines der Verwaltungsgebäude von Bellona wurde renoviert und vermietet.

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Alte Mauer einer Fabrikhalle in Warschau-Wola / Antoni Władyka

Nur ein paar hundert Meter weiter nördlich steht der Warsaw Trade Tower mit einer Gesamthöhe von 208 Metern, welches bis zur Fertigstellung des Warsaw Spire das höchste Bürogebäude in Polen war. Momentan entstehen rundherum viele weitere sehr interessante Hochhäuser und Büros. Viele von ihnen kommen sehr nah an die 200 Meter Grenze. Es lässt sich also klar erkennen, wie die Stadtplaner sich die zukünftige Warschauer City vorstellen. Diese beginnt oder endet momentan am Warsaw Spire/Warsaw Trade Tower und verläuft in östlicher Richtung bis zur Nordseite des Kulturpalastes und anschließend Richtung Süden bis zum LIM Centre 170m (Mariott Hotel), was den Buchstaben L nachahmt. Die Investoren wählen dieses Terrain aufgrund der niedrigen Grundstückspreise. Sie müssen jedoch sehr oft alte Gebäude restaurieren, da Sie unter Denkmalschutz stehen. So hat Ghelamco in dem besagten Beispiel einige Bürogebaude des Verlagshauses „Bellona“ restauriert und somit sicherlich viele Warschauer Bürger zufriedengestellt. Eines können Sie mir nämlich glauben – es gibt kaum eine andere Stadtbevölkerung, die so gereizt reagiert wenn es um das Abreißen alter Gebäude geht. Und niemand will hier den nächsten Aufstand erleben. Die Warschauer sind deshalb so empfindlich, da nach dem Warschauer Aufstand fast die ganze Stadt gezielt mit Dynamit in die Luft gesprengt wurde.

Man schätzt, dass von 2018 bis 2021 in diesem Bezirk ca. 1 Million Quadrameter Bürofläche entsteht. Somit wird auch ein starker Zuzug von Büroangestellten erwartet. In den letzten 10 Jahren (2008-2018) stieg die Anzahl der abgegebenen Wohnungen in Wola um das zehnfache.

Auszeichnungen

Bei den MIPIM Awards 2017 vom 14. bis zum 17. März in Cannes hat der Warsaw Spire den Titel „Best Office & Business Development“ gewonnen (Quelle: Liste auf www.globalrealestateexperts.com). Das Projekt hat sich durchgesetzt gegen ebenfalls sehr renomierte Gebäude wie das Il Cielo di Roma in Rom, das Believe in Better aus London oder das Super D Technology Centre in Shenzhen. In dieser Kategorie haben 214 Gebäude aus 46 Ländern teilgenommen. (Quelle: www.warszawa.wyborcza.pl/ polnisch).

Basisdaten

Adresse:Plac Europejski 1 (Karte)
StadtbezirkWola
Internetseitewww.warsawspire.pl/en *PL + *EN
InvestorGhelamco Group (Belgien)
ArchitekturprojektM. & J-M. Jaspers – J. Eyers & Partners
Gesamthöhe220 Meter
Höhe zum Dach180 Meter
Stockwerke oberirdisch49 / 2 x 15
Stockwerke unterirdisch5
Anzahl Gebäude3
HauptfunktionBüro
Bürofläche109.000 Quadratmeter
NebenfunktionDienstleistung und Gastronomie
Parkplätze1200
FertigstellungMai 2016
BüroklasseAAA
ZertifizierungBREEAM – Excellent (Definition und Berechnung)
Kosten250 Millionen EUR
BesonderesEs ist das höchste Bürogebäude und das zweithöchste Gebäude Polens
StandMärz 2018
Quellenwww.propertynews.pl, www.urbanity.pl, www.warsawspire.pl, Pressemitteilungen,

Weitere Wolkenkratzer


Beitragsbild: Warsaw Spire / AGC Glass Europe on flickr [CC BY 2.0]

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Kategorien:Warsaw Spire, Wolkenkratzer in Warschau

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