Regelmäßig schaue ich beim Polnischen Wirtschaftsinstitut vorbei. Dort erscheinen in regelmäßigen Intervallen sehr interessante und aufschlußreiche Berichte und Analysen. Am 6. Februar 2026 habe ich die Zahlen über polnische Haushalte im Hinblick auf die Energieträger gelesen. Wie im Titel dieses Beitrags schon festgestellt wurde, verbrauchen polnische Haushalte 94 % der in EU-Haushalten genutzten Steinkohle. Die letzten Wochen waren sehr kalt, die Temperaturen fielen bis Minus 33 Grad im Nordosten von Polen (Masuren). Es wurde geheizt, wie kaum in den letzten 10 Jahren. Die Luftqualität schwankte in Polen sehr, wie jedes Jahr vor allem im Winter.
Anbei habe ich euch den Text Berichtes übersetzt.
Inhalt
Polnische Haushalte im EU-Vergleich
Polnische Haushalte verbrauchen 9 % der Energie, die von allen Haushalten in den EU-Ländern genutzt wird. Daten des polnischen Statistikamts (GUS) zeigen, dass sie unter den einzelnen Energieträgern am meisten Fernwärme (18 %) und Steinkohle (94 %) einsetzen. Sie gehören außerdem zur Spitzengruppe beim Verbrauch von Energie aus erneuerbaren Quellen, nämlich 9 %. Diese Werte liegen über dem Anteil der polnischen Bevölkerung an der Gesamtbevölkerung der EU, der 8 % beträgt.
23 Jahre Entwicklung, ein großer Schub nach vorne
Die Art der Energienutzung in polnischen Haushalten hat sich in den letzten 23 Jahren (im Vergleich zu 2002) deutlich verändert. Geheizt wird in wesentlich größerem Ausmaß mit Erdgas (Anstieg um 14,1 Prozentpunkte) zulasten fester Brennstoffe, d. h. Steinkohle (Rückgang um 23,8 Prozentpunkte) und Brennholz (Rückgang um 21,1 Prozentpunkte). Zugenommen hat der Anteil der Haushalte, die elektrische Geräte nutzen, darunter Klimaanlagen (um 7,2 Prozentpunkte), Geschirrspüler (um 40,3 Prozentpunkte) oder Computer (um 41,7 Prozentpunkte). Mehr Menschen bewegen sich auch mit Pkw fort (um 21,6 Prozentpunkte). Verbessert haben sich ebenfalls Indikatoren zur Energieverfügbarkeit: Der Anteil der Haushalte, die ihren Wärmekomfort als unzureichend bewerten, ist gesunken (um 8,4 Prozentpunkte), ebenso der Anteil ohne Zugang zu Warmwasser (um 14,4 Prozentpunkte).
Fernwärme und Erdgas dominieren bei Beheizen
Das Gebäude eines durchschnittlichen polnischen Haushalts wird am häufigsten mit Fernwärme beheizt. Sie ist die grundlegende Heizform für 44,3 % der polnischen Haushalte. Der Anteil anderer Energieträger ist deutlich niedriger – er beträgt 20 % bei Erdgas und rund 30 % bei festen Brennstoffen: Steinkohle (14,2 %) und Brennholz (17,2 %). Lediglich 2 % der Haushalte nutzen hierfür Wärmepumpen, auch wenn ihr Anteil schrittweise steigt. Ebenfalls nimmt der Anteil der Haushalte mit Zugang zu Klimaanlagen zu und liegt bei 7,3 %(2). Sicher verbesserungsbedürftig ist der Zustand der Gebäude, denn die Antworten der Befragten zeigen, dass mehr als 2 von 5 Haushalten ungedämmt (7,5 %) oder nur teilweise gedämmt (13,8 %) sind.
Das größte Fernwärmesystem Europas? Warschau

Warschau verfügt über eines der größten Fernwärmesysteme Europas. Das hauptsächlich von Veolia Energia Warszawa S.A. betriebene Netz umfasst rund 1.800 Kilometer Leitungen und versorgt mit Fernwärme nahezu 80 Prozent der Gebäude in der Stadt. Die Wärme stammt vor allem aus zwei großen Heizkraftwerken: Siekierki, der größte Standort, liefert etwa 55 Prozent der Wärmemenge, während Żerań rund 45 Prozent beisteuert. Besonders bemerkenswert ist, dass Warschau eine sogenannte intelligente Fernwärmenetzsteuerung nutzt: Mit prädiktiven Modellen werden Bedarf und Liefermengen optimiert, um die Versorgung effizienter zu machen. Gerade wegen dieser breiten Fernwärme-Abdeckung hat Warschau eine deutlich bessere Luftqualität als viele andere polnische Städte, in denen private Einzelöfen weiterhin verbreitet sind.
Unterhaltungselektronik ist in Polen ein Stadard
Die Mehrheit der polnischen Haushalte ist mit Haushalts- und Unterhaltungselektronik (AGD und RTV) hoher Energieeffizienzklasse(3) ausgestattet. Zu den am häufigsten genutzten Geräten zählen die Waschmaschine (86,3 %), der Fernseher (82,9 %), die Kühl-Gefrier-Kombination (81,1 %), das Mobiltelefon (78,8 %) sowie der Laptop (61,4 %). Ein großer Teil davon weist die Energieklasse A oder besser auf. Auch die Haushaltsbeleuchtung ist relativ effizient: 95,4 % nutzen Energiesparlampen – zum Vergleich: traditionelle Glühbirnen verwenden 25,1 % der Haushalte (gegenüber 86,2 % im Jahr 2009).
Da ist ja noch das Auto
Ein durchschnittlicher polnischer Haushalt nutzt einen Benzin-Pkw, der etwa 12 Jahre alt ist. Die Haushaltsmitglieder bewegen sich in Polen meist mit einem Auto (47,3 %) oder nutzen kein Auto (31,3 %). Unter den Haushalten, die Autos verwenden, betreiben 63,2 % Fahrzeuge mit Benzinmotoren (einschließlich mit und ohne LPG-Anlage) und 35,1 % solche mit Dieselmotoren. Die Nutzung von Hybrid- und Elektroautos nimmt zu, bleibt jedoch marginal: Sie werden von 1,5 % bzw. 0,2 % der Haushalte, die Autos nutzen, verwendet.
Quelle
Das Polnische Wirtschaftsinstitut veröffentlich regelmäßig Berichte und Analysen, zudem auch jede Woche einen „Wirtschaftsbericht“ (Tygodnik Gospodarczy). Die Daten sind in PDF für jeden erhältlich und stehen zum Download bereit.
Wir leben in Zeiten, in denen man nicht mehr auf professionelle Übersetzer angewiesen ist und so kann sich jeder die PDF runterladen und ganz einfach und schnell übersetzen. Die Seite des Instituts ist auch auf Englisch.







Mich würde interessieren, woher die Steinkohle kommt, die verheizt wird. E.Trommer