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Pulaski-Day in Chicago, Illinois. Ein Warschauer auf Weltreise

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In Chicago wird heute der Pulaski-Day gefeiert. Es ist ein gesetzlicher Feiertag, sodass die Bewohner Chicagos und des Staates Illinois an jedem ersten Montag des März frei haben. Obwohl es für die meisten eine gute Gelegenheit ist, um das verlängerte Wochenende in der Natur zu verbringen oder eine Städtereise zu unternehmen (vielleicht sogar in Warschau, lies: Direktflug zwischen Chicago und Warschau), ist es für viele ein gar nicht leichtes Rätsel, wem wir diesen Tag zu verdanken haben. Ich würde diesen Beitrag natürlich nicht schreiben, wenn Warschau hierbei nicht einen Anteil hätte. 

Freiheit und Pferde

kazimierz-pulaskiKazimierz Pulaski ist am 6. März 1745 in Warschau geboren und daher wird an jedem ersten Montag im März in Illinois der Pulaski-Day gefeiert. Es ist eine Art Geburtstagsjubiläum. Pulaski ist in Polen von Namen her bekannt und viele bringen es auf die Reihe ihn mit einem Freiheitskampf in Verbindung zu bringen. Sofern es um Details geht, hört das Allgemeinwissen jedoch auf.

Tatsächlich kämpfte er auf der Seite der Konföderation von Bar gegen jegliche Einmischung des Zaristischen Russland in die inneren Angelegenheiten der Königlichen Republik Polen-Litauen. Der militärische Aufmarsch wurde jedoch blutig niedergeschlagen. Ein Jahr nach der Kapitulation der Konföderierten erfolgte die 1. Polnische Teilung. Kazimierz Pulaski emmigrierte ins Ausland und kehrte nie wieder nach Polen zurück.

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Er war zudem in einen Attentatsversuch gegen den König von Polen Poniatowski verwickelt, den er nicht ausgeführt hatte und stets die Schuld von sich wies. Doch die Beweise schienen überzeugend, sodass auch die königlichen und kaiserlichen Nachbarstaaten Pulaski Einreiseverbot erteilten. Man hat ihn in Abwesenheit zum Tode verurteilt. Dieses Makel blieb an ihm hängen und sogar einige seiner engsten Anhänger schenkten den Anklägern mehr Glauben als ihm.

Pulaski war ein hervorragender Reiter und war in den Augen seiner untergebenen Soldaten das Sinnbild des tugendhaften Ritters, der entschlossen und voller Hingabe für die Freiheit und Unabhängigkeit seines Landes kämpfte. Seine Erfahrungen in der Schlachtführung zu Pferd öffnen ihm während des Aufenthaltes in den USA die Tore zu Armeeführung der Kontinenalarmee.

Pulaski in den USA

Er begab sich auf Weltreise. Zunächst ging es nach Schlesien (Preußen), dann nach Dresden (Sachsen), anschließend nach Frankreich und schließlich ins Osmanische Imperium. Doch auch hier erreicht ihn das Image eines Königsmörders. Die diplomatischen Zahnräder zwangen ihn schließlich zur Ausreise nach Nordamerika, wo der Unabhängigkeitskampf in vollem Gang war. Beworben wurde er höchstpersönlich von General Lafayette und Benjamin Franklin, der damals in Europa weilte. Für die bürgerlichen Freiheitskämpfer war ein potenzieller Königsmörder nichts, was einer Teilnahme im Krieg gegen die britische Monarchie im Wege stand.

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In nur zwei Jahren formierte er die erste Kavallerielegion in der Geschichte der USA (noch vor der Gründung) und kämpfte voller Hingabe für die Unabhängigkeit der dreizehn Kolonien. Die Ausrufung der Unabhängigkeit erlebte er nicht mehr. Er starb nach einer Reitercharge an den erlittenen Verletzung. Paradoxerweise auf einem Schiff. Begraben wurde er auf einer Plantage in Savannah, Georgia. Das offizielle Begräbnis fand erst im Jahre 2005 statt, nachdem man dort die sterblichen Überreste fand.

Erinnerung

Pulaski erhielt 2009 als siebte Person in der Geschichte die Ehrenbürgerschaft der USA. 1929 führte der Senat den General-Pulaski- Erinnerungstag (General Pulaski Memorial Day) ein. Am ersten Sonntag im Oktober findet die größte Pulaski-Parade in der 5th Avenue statt. Und schließlich ist der erste Montag im März ein gesetzlicher Feiertag in Illinois.

Während die US-Amerikanischen Bürger in den von Pulaski „betroffenen“ Teilstaaten und Städten sichtbar gefeiert wird, bleibt ein breiteres Geschichtsbewußtsein über diesen großen Mann in Polen aus. Aber zumindest weißt Du, lieber Leser, nun etwas mehr über Polens Geschichte und forscht noch etwas nach.

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Trivia

Wissenschaftler überprüften das Skelett von Pulask und gelangen zur Erkenntnis, dass Pulaski eine intersexuelle Person mit biologischen Eigenschaften einer Frau war. Weitere offizielle Ergebnisse blieben bisher noch aus. Man wird es beobachten. Spannend wäre, was er davon halten würde.

 

Antoni Administrator
Eigentümer von Walking Poland Group
Europäer mit polnischem Herz und deutschem Hirn! Jurist, lizenzierter Stadtführer in Warschau, Hobbyfotograf, Deutschlehrer.
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