Essen und Trinken

Wuzetka, der Kuchen mit den zwei Buchstaben

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In Deutschland wird unsere Hauprotagonistin oft als „fluffige Schoko-Sahne-Torte nach polnischer Art“ beschrieben. Klingt schön, aber Wuzetka, der Kuchen mit den zwei Buchstaben ist dann doch herzlicher. Interessanterweise gibt es über den nach dem Apfelkuchen (szarlotka) beliebtesten Kuchen in Polen noch nicht einmal einen deutschen Wikipedia-Eintrag. Ich dachte, dass von den über 1 Million in Deutschland lebenden Polen dann doch jemand sich die Mühe gemacht hätte einen Beitrag zu verfassen. Es wird also Zeit, dass die deutschsprachige Welt aufgeklärt wird, was es mit den zwei Buchstaben auf sich hat und eine der skurrilsten Entstehungsgeschichte eines polnischen Klassiker-Kuchens erfährt.

Alles beginnt mit einem Tunnel

Wer schon Mal in Warschau war, der war auch sicherlich in der Altstadt. Steht man nun auf dem Schlossplatz, muss man wissen, dass sich unterhalb ein nahezu 200 Meter langer Tunnel befindet. Dieses schöne Bauprojekt entstand in den Jahren 1948-1949, also direkt nach dem Zweiten Weltkrieg und während der Rekonstruktion der Warschauer Altstadt. Der Tunnel war und ist so wichtig, weil er eine der Hauptverkehrsadern zwischen dem links- und rechtsseitigen Warschau an dieser Stelle an der Altstadt vorbeiführte. Andernfalls kann man sich das Verkehrsdisaster vorstellen, was dort heute herrschen würde. Der Tunnel wurde also fertiggestellt, die Autos und LKWs rollten vorrüber und alle waren glücklich. Kommen wir als zum Kuchen. Den gab es zwar noch nicht, aber seine Geburt stand kurz bevor.

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Der Tunnel unterhalb der Altstadt (Schlossplatz)

Wer hat die Wuzetka erfunden?

Das Rezept der Wuzetka entstand in der gleichen Zeit, womöglich 1949. Der Name hingegen soll erst etwas später in Umlauf gekommen sein. Aber so genau kann das niemand sagen. Die, die es wissen könnten, sagen alle etwas anderes. Überzeugend klingt jedoch die Version, dass der Name im Café „W-Z“, welches sich im Kino „Muranow“ befindet, erfunden wurde. Das Café liegt übrigens direkt an dieser Verkehrsader, also dem Ost-West-Trakt.

Hier bin ich Euch natürlich eine Erklärung schuldig. Die Buchstabenkürzel W-Z bezeichnen auf Polnisch die Strecke Wschod – Zachod, also Ost-West. Der Tunnel verbindet, wie oben erwähnt, die im Osten liegenden Bezirke mit denen im Westen. Spricht man W – Z nun auf Polnisch aus, ergibt es es „Wu-z(s)et“ (das s ist hier stimmhaft). Das am Ende auftauchende „ka“ kommt es verwirrend hinzu, aber spricht man das alles hintereinander aus, so erhält man Wu-zet-ka. Die Herkunft bleibt also im Nebel der Geschichte verborgen und im Laufe der Zeit wird die Geschichte womöglich noch legendärer.

Dem Kommunismus sei Dank wurde das Rezept urheberrechtlich nicht geschützt und konnte sich so in die weite polnische Welt ausbreiten.

Was steckt in der Wuzetka?

Die Grundlage für den Biskuit besteht aus Weizenmehl, Eiern, Zucker und Kakao. Nachdem die Zutaten gründlich vermischt wurden, wird der Kuchen bei einer Temperatur von etwa 180 °C gebacken. Nach dem Backen und Abkühlen wird der Kuchen in einen Punsch getaucht. Dies kann ein Sirup aus Zucker, Zitrone, Rum-Aroma und Alkohol sein. Die Oberseiten des unteren und oberen Bodens werden dünn mit Marmelade oder Konfitüre bestrichen, und das Ganze wird mit Schlagsahne überzogen. Der obere Teil wird zusätzlich mit Schokoladenfondant überzogen. Nach dem Aushärten sollte der Fondant knusprig sein, so dass er z. B. mit Schokolade überzogen wird. Bei einer anderen Zubereitungsart der Wuzetka wird der Biskuit in Schokolade getränkt. Schließlich wird die Wuzetka in quadratische Stücke geschnitten, um Torten zu formen, die mit „Klecksen“ aus Schlagsahne verziert werden, die aus einer Schorle gepresst wird.

Meine Empfehlung einer traditionellen Konditorei

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Hier schlägt das Herz der polnischen Klassiker

Es gibt einen magischen Ort, wo ihr eine solche Wuzetka in ihrer vollen Pracht genießen könnt. Die Konditorei Strzalkowski in der Swietojanska-Straße in der Warschauer Altstadt. Dieser Laden ist genau da, wo er sein soll, also in der Altstadt, und macht genau das, was man von ihm erwartet, also herrliche traditionelle Kuchen, wie sie meine Oma und Mutter gebacken haben. Hier gibt es nicht nur die Wuzetka, sondern auch eine Napoleonka, Kremowka Papieska, Eklerka, Szarlotka und eine echte Warschauer Zygmuntowka.

Antoni Administrator
Europäer mit polnischem Herz und deutschem Hirn! Eigentümer des Warschauer Touristikunternehmens Walking Warsaw (walkingwarsaw.com / stadtfuehrer-warschau.com), lizenzierter Stadtführer, Fotograf, Jurist (1. Staatsexamen/Deutschland)
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