Feiertage

Allerheiligen? Ab nach Warschau

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Wenn Allerheiligen näher rückt, spielen die Polen verrückt. Zunächst werden massenhaft Grablichter in allen möglichen Farben und Formen gekauft. Es entsteht in diesen Tagen ein regelrechter Grablichter-Kaufrausch, was auch dazu führt, dass die Friedhöfe später hell erläuchtet sind. Am Abend leuchtet schließlich der polnische Himmel im flimmernden Rot.

Allerheiligen – eine Nation in Bewegung

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Haupteingang zum Powazki-Friedhof in Warschau.
Tor der Hl. Honorata / Antoni Władyka [CC BY-SA 2.0]

Auch die Reiselust der Polen steigt ins unermessliche. Alle wollen (oder müssen) die Gräber ihrer Vorfahren, Freunde oder Idole besuchen. Liebe Leser, Sie können sich nicht vorstellen, was einen Tag vor Allerheiligen los ist. Als würden alle vor den Russen flüchten! Es ist einer der wichtigsten Feiertage im polnischen Kirchjahr. Will man die Seele der Polen besser kennenlernen, bietet sich dieser Tag bestens als Speed-dating an. Vielleicht könnte man in Brüssel nachfragen, ob nicht ein Allerheiligen-in-Polen-Tag eingeführt werden könnte.

Ich persönlich kann dahingehend nur empfehlen zum Powązki-Friedhof nach Warschau zu kommen.

Der Powązki-Friedhof

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Hauptallee auf dem Powązki-Friedhof / Antoni Władyka [CC BY-SA 2.0]

Der Powązki-Friedhof ist die berühmteste Nekropole in Polen. Sie liegt ca. 5 Kilometer vom Zentrum (Kulturpalast) entfernt und beherbergt innerhalb seiner Mauern die letzten Ruhestätten der Katholiken, Protestanten (evangelisch-augsburgisch und evangelisch-reformiert), Moslems (tatarisch-islamisch und kaukasisch-islamisch) und der Juden. Alle diese Friedhöfe werden von kleineren Gemäuern voneinander getrennt und haben auch natürlich ihre eigenen Eingänge. Etwas weiter nördlich liegt der dazugehörige Militärfriedhof, wo unter anderem die Warschauer Aufständischen und die bei der Flugzeugkatastrophe von Smolensk im Jahre 2010 Verstorbenen beerdigt wurden. Daher verwundert nicht die Grösse von 43 Hektar und die Anzahl von 2,5 Millionen Gräbern. Zum Vergleich: der Vatikanstaat hat eine Fläche von 44 Hektar.

Der Friedhoft wurde schon 1792 eingeweiht und seitdem 19 Mal erweitert. Seit 1925 gibt es auf dem Katholischen Friedhof eine Allee der Verdienten (Aleja Zasłużonych). Der erste, der dort begraben wurde, ist Wladyslaw Reymont, der 1925 den Literaturnobelpreis erhielt. Daneben findet man Gräber von Künstlern, Architekten, Militärs,, Regierungsmitgliedern und Präsidenten.

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Grabfigur auf dem Powązki-Friedhof / Antoni Władyka [CC BY-SA 2.0]

Auch wenn Sie nicht an Allerheiligen in Warschau sein wollen oder können und doch irgendwann hier sind, dann müssen Sie diesen Friedhof besuchen. Der Katholische und der Jüdische sind besonders sehenswert und von hohem geschichtlichem Wert.

Eine Anmerkung – vergessen Sie bloß nicht ihre Kamera im Hotelzimmer.

01.11.2016 – im Regen bei den Vorfahren

Auch ich war an diesem Tag auf dem Powazki-Friedhof. Es hat dummerweise den ganzen Tag geregnet, doch wollte ich ein paar Fotos machen. Mit Regenschirm und Regenjacke bewaffnet war ich gegen 17 Uhr am Haupttor. Normalerweise ist bei gutem Wetter die Polizei und die Friedhofsverwaltung intensiv damit beschäftigt, dass das Friedhofsgelände nicht überfüllt wird. Man lässt die Besucher an solchen nur Gruppenweise hinein. Dieses Jahr war es in dieser Hinsicht recht entspannt.

In der anliegenden Borromäus-Kirche wurde gebetet und gesungen. Auch an der Allee der Verdienten und größeren bekannten Familiengräbern wurde ein Lied angestimmt. Die Atmosphäre zwischen den naßen Gräbern, welche in der Dunkelheit nur von Grablichtern beleuchtet wurden, hat etwas magisches an sich. Bei all dem Streß in Warschau, dem ständigen hin und her, kann man ein Mal im Jahr die Ruhe genießen. und in sich gehen. Bei dieser Besinnung wird auch – endlich –  an die verstorbenen Vorfahren gedacht.

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Borromäus-Kirche an der Powązkowska-Straße | Antoni Władyka [CC BY-SA 2.0]

Beitragsbild: Eine Hand wäscht die andere | Antoni Wladyka [CC BY-SA 2.0]

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Europäer mit polnischem Herz und deutschem Hirn! Jurist, lizenzierter Stadtführer in Warschau, Hobbyfotograf, Deutschlehrer.
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Schade, dass es den ganzen Tag geregnet hat. Auf dem Powazki-Friedhof war ich noch nie zu Allerheiligen, das wären bestimmt ein Erläbniss ihn auf deinen Fotos zu sehen. Aber es hat auch seine guten Seiten (ohne die wenige Menschenmassen) der Regen gibt eine einzigartige Atmosphäre zu geldung. P.S. In Oppeln hatten wir kein Regen am 1. November. Am Nachmitag ist sogar die Sonne erschienen. Es war ein ganz angenähmer Tag.

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