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Das Geld fließt weiter!
Die politische Situation in Polen ist seit der Präsidentschaftswahl im Frühling 2015 und vor allem seit der Parlamentswahl im Herbst 2015 nicht gerade zufriedenstellend, wenn ich es mal vorsichtig ausdrücken darf. Das schöne in Polen ist jedoch, dass die Wirtschaft nach 1990 einen starken Abwehrmechanismus geschaffen hat. Egal wer regiert, die Wirtschaft prescht nach vorne und die Investitionen in Polen nehmen ihren gewohnten Lauf. So auch im Falle der ziemlich schlampig regierenden PiS. Die Politik sah selten so schlecht aus, und dennoch sinkt die Arbeitslosenquote in die Tiefe und die Städte erleben einen bisher nie dagewesenen Entwicklungsschub. Das Geld fließt weiter! The Show must Go on!
Registrierungszahlen sind eindeutig

Im 1. Quartal 2017 wurden 1900 Firmen mit Auslandskapital in die landesweiten Firmenlisten eingetragen. Vor einem Jahr waren es 1700 Firmen. Der Vergleich zu 2015 (1600) zeigt eine deutliche Steigerung. Auch die Höhe der Kapitalanlage ist enorm angestiegen. Von 57 Tausend PLN im Jahr 2016 auf 97 Tausend PLN 2017. Doch nur 21 Firmen hatten ein Kapital von mindestens einer Million PLN. Diese Zahlen bezeugen, dass Polen weiterhin sehr attraktiv für Investoren ist, obwohl in den letzten 18 Monaten zum Teil sehr kuriose Nachrichten über das polnische Politikleben um die Welt gingen. Die ausländischen Unternehmen oder Privatpersonen mit hohem finanziellen Überschuß würden ihr Geld nicht auf den polnischen Markt pumpen, wenn sie ihrer nicht sicher wären. Denn Business ist Business – das Geld fließt nur, wenn dabei Gewinne herauskommen und man sich dieser auch sicher sein kann.
Das heißt nicht, dass die Politik gar keinen Einfluß auf das Investitionsklima hat. Diese positiven Zahlen hätten dieses Jahr nämlich noch besser ausfallen können, wenn eine bestimmte Person im Besonderen und einige andere im Allgemeinen schlicht und einfach weniger oder gar nichts sagen würden.
Anteil des Geldflußes in Warschau

Von den 1900 Firmenneugründungen haben 45 Prozent ihren neuen Sitz in der Wojewodschaft Masowien (Województwo Mazowieckie) mit der Hauptstadt Warschau. Auf Platz 2 mit gerade mal 12 Prozent ist Kleinpolen (Małopolska / Krakau) und auf Platz 3 Niederschlesien (Dolny Śląsk / Wrocław).
Allein in Warschau wurden 689 Firmen registriert.
Investitionen für Gewerbeimmobilien steigen rasant
Internationale Investoren geben schon seit Jahren Milliarden für Gewerbeimmobilien aus (poln. nieruchomości komercyjne). Seit 4 Jahren sind es über 3 Milliarden Euro jährlich. 2016 waren es sogar mehr als 4,5 Milliarden Euro. Der Rekord, den es zu überbieten gilt, stammt von 2006, als die Investitionssumme bei 5,1 Milliarden Euro lag. Im ersten Halbjahr 2017 sind es schon mehr als 1,5 Milliarden Euro. Das zweite Halbjahr soll noch besser werden.
Michał Wachowicz von Cushman & Wakefield bestätigte, dass die politischen wie wirtschaftlichen Verwirrungen nicht negativ auf die Attraktivität Polens als Investitionsland Einfluss nahmen. Ganz im Gegenteil – 2016 waren die Zahlen sogar höher als im Vorjahr (Quelle: www.propertynews.pl / Rekord za rekordem i … kolejny rekord – polnisch).
Wólka Kosowska – ChinaTown vor den Toren Warschaus
Das Dorf Wólka Kosowska in der Gemeinde Lesznowola liegt ca. 25 Kilometer südwestlich (Karte) vom Warschauer Zentrum entfernt und ist ein echter Exot. Dort leben nach offiziellen Angaben 385 Menschen, doch in den oben genannten drei Monaten wurden hier 62 Firmen mit Auslandskapital registriert. Damit platziert sich Wólka Kosowska landesweit auf Platz 6.
Der größte Teil dieser kleinen Ortschaft besteht aus einem China-Einkaufszentrum, welches aus 6 Handelszentren und einigem wenigen Lagerhallen besteht. Die Geschäfte sind hier auf 150 000 Quadratmetern Einkaufsfläche verteilt. Um Zeit zu sparen fahren die Ladeneigentümer auf Tretrollern. Auf dem Parkplatz stehen Autos aus ganz Polen, aber auch aus den osteuropäischen Ländern wie Weißrussland oder Litauen.
Dank oder trotz der Regierung?
Die Partei Recht und Gerechtigkeit regiert seit November 2015. Das soll jetzt kein Beitrag sein, der dieser Partei diesen Erfolg zuschreiben will. Ganz im Gegenteil. Ich will vielmehr lediglich aufzeigen, dass die Wirtschaft in Polen ihren eigenen Weg geht, was darauf schließen lässt, dass die gesellschaftliche Unabhängigkeit vom Staat in gewißer Weise gewährleistet ist. In anderen Staaten, wo ähnliche oder gar schlechtere politische Bedingungen herrschen, wie zum Beispiel Ungarn, sieht es wirtschaftlich nicht mehr so rosig aus. Dort ist allerdings auch wesentlich mehr in der Hand des Staates.
Beitragsbild: Geldmünzen/Städtisches Museum in Płock © MeinWarschau







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