Warschau goes green!

Butelkomat auf dem Vormarsch. Flaschenautomaten nun auch in Polen.

plastikflasche

Plastikflasche rein, Geld raus. In Deutschland ist ein Flaschenautomat in einem Supermarkt mittlerweile zur Normalität geworden. Schließlich kostet der Pfand zum Teil mehr als der Inhalt der Flasche. In Polen steht seit dem 17. April 2019 in Krakau der erste Flaschenautomat. Auf Polnisch heißen die Maschinen Butelkomat (butelka = Flasche). Die Stadt Warschau hat die Idee sehr schnell aufgegriffen und will nun selbst solche Geld-für-Flasche-Maschinen installieren. Vor knapp zwei Wochen erst hat der Stadtpräsident Rafal Trzaskowski eine Verordnung erlassen, die es der gesamten Verwaltung verbietet Plastik zu benutzen. Dem Plastik wurde der Krieg ausgesprochen.

Auch die Obdachlosen hätten was davon

Die Idee zunächst einen Flaschenautomaten in der Hauptstadt aufzustellen kam vom Ratsmitglied des Stadtbezirks Ursynow Bartosz Zawadzki. Er hat von einer solchen Maschine in Krakau gehört. Das Krakauer Ratsmitglied Lukasz Wantuch wiederrum ließ sich von ähnlichen Automaten in Berlin inspirieren. Neben vielen anderen positiven Einflüssen auf die Umwelt könnten sodann auch die Obdachlosen etwas dazuverdienen, so Zawadzki aus Warschau. In einem Staat ohne ausreichender finanzieller Unterstützung für die Bedürftigen der Gesellschaft klingt das fast schon wie Ironie. Aber es scheint tatsächlich ernst gemeint. Und wie es geht, machen die Berliner Obdachlosen vor: aufgrund Ihres tätigen Mitwirkens sind die Straßen von Berlin frei von Plastikflaschen, so die Analyse von Wantuch.

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In Polen sind solche Automaten notwendig in Gegenden, wo keine offzielle Mülltrennung erfolgt, vor allem in Parkanlagen, an Haltestellen oder in touristischen Ecken der Stadt. Da die Flaschen ohne Pfand verkauft werden, landen sie blitzschnell im Mülleimer und verschwinden irgendwo in den Tiefen und Höhen der Warschauer Müllhalden. Die Hochsaison für eine massenhafte Verstopfung der Mülleimer ist jetzt, die Sommerzeit. Dadurch, dass die Flaschen kein Pfand haben, müssen die Automaten vorab von der Verwaltung mit Geld aufgeladen werden. Dieses Geld stammt natürlich von den Steuergeldern. In Krakau bekommt man für eine Flasche 10 Groszy, also knapp 2,5 Eurocent. Die Höhe der Bezahlung in Warschau wurde noch nicht bekannt gegeben. Es müssen noch die Politiker der Stadt überzeugt werden.

Ein solcher Butelkomat soll ca. 20 000 PLN kosten.

Flaschenautomat als Bildungseinrichtung

In ganz Polen ist ein regelrechter Kampf gegen Plastik im Gange. Angefangen hat es in Walbrzych. Dort hat der Stadtpräsident jegliche Gebrauchsgegenstände aus Plastik aus den Ämtern verbannt. Warschau hat es einen Monat später nachgemacht. Weitere Städte ziehen nach. Aktuell entsteht ein regelrechter Boom auf die Butelkomaten, die es schon in Lublin oder Sosnowiec gibt. Das steigende Umweltbewußtsein der kommunalen Selbstverwaltungskörperschaften ist die größte Errungenschaft dieser Entwicklung.

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Natürlich wird man mit diesen Maschinen das Problem mit den Plastikflaschen nicht in den Griff bekommen. Ein Pfandsystem wie in Deutschland ist der einzige Ausweg, doch bevor es zu einem solchen radikalen Schritt kommt, kann es noch etwas dauern. Wichtiger wäre hier die Abkehr von Kohle und schärfere Kontrollen der Verbrennungsanlagen privater Haushalte. Und dennoch: die Flaschenautomaten können als edukatives Element der gesellschaftlichen Erziehung dienen und helfen ein ebenfalls starkes Umweltbewußtsein in den Köpfen der ganzen Gesellschaft entstehen zu lassen.

Werbung ist alles

Interessanterweise steht ein solcher Flaschenautomat schon in Warschau. Und das seit 2017! Am Institut für Umweltschutz (Instytut Ochrony Srodowiska) an der Krucza-Straße. Doch ohne Werbung in den Medien hat leider niemand mitbekommen, dass eine solche Maschine schon arbeitet. Wenn man also ganz genau sein will, war Warschau vor drei Jahren dem ersten Automaten in Krakau drei Jahre voraus. Aber da leben ja auch Menschen, die immer noch glauben, dass Krakau die „eigentliche“ Hauptstadt sei.

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Startpunkt noch unbekannt

Im Moment wurden die Stadträte von Vereinen und umweltschützenden Institutionen mit Anfragen bombardiert. Der gesellschaftliche Druck wird die Stadtverwaltung zwingen die Flaschenautomaten aufzustellen. Und vor allen Dingen: Warschau kann doch nicht schlechter dastehen als Krakau, oder?

Antoni Administrator
Eigentümer von Walking Poland Group
Europäer mit polnischem Herz und deutschem Hirn! Jurist, lizenzierter Stadtführer in Warschau, Hobbyfotograf, Deutschlehrer.
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Roland Ruckstuhl

In der Schweiz funktioniert das Plastikflaschen-Sammeln so gut, dass es gar kein Pfand braucht. Überall wo es viele Menschen hat, kann man die Flache in einem Behälter entsorgen. Besonders bei Bahnhöfen. Aber auch jeder Supermarkt ist verpflichtet, die Plastikflaschen, die bei uns PET heissen, zurückzunehmen. Egal, in welchem Laden man es gekauft hat. PET Recycling ist ein Verein, in denen alle grossen Detailhändler Mitglied sind. Funktioniert prima!Plastiktragetaschen gibt es bei uns keine mehr. Die sind verboten. Die Meisten Taschen sind aus Papier und schmerzen an den Händen, wenn man die täglichen Besorgungen damit herumschleppt. Aber auch hier ist gedacht, dass… Weiterlesen »

Artur Sebastian

Ach, der deutsche Zeigefinger… und „das deutsche Hirn“… 😀

220 kg Plastikverpakungen schmeißt jedes Jahr jeder Deutsche fort, immerhin gewaschen und sortiert. Aber damit denkt wohl jeder Deutsche, erlöst von dem Bösen zu sein. Aber genau hier endet das deutsche (Umwelt-)Bewusstsein.

Jeder Deutscher schmeißt nämlich so viel Plastikverpakungen pro Jahr fort (zur Erinnerung: 220 kg), wie Belgien, Portugal, Österreich, Schweden, Ungarn, Tschechien, Dänemark, Norwegen, Finnland, Irland und Polen zusammen!!!

Deutschland kann also seinen Plastikmüll gut sortieren, doch reduzieren kann es ihn nicht.

Seinen Plastikmüll exportiert Deutschland in Zig Tausend Tonnen u.a. nach Polen.

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