Leben in Warschau

Das Mordor von Warschau

mordor-warschau-buero

Letzte Aktualisierung: [last-modified]

Entstehung

Für die Fans von „Herr der Ringe“ ist es fast schon ein Muss mal in das Mordor von Warschau zu kommen. Dieses „Viertel“ hatte sogar für eine Zeit seine eigenen Grenzschilder. Leider wurden sie später von der Stadtverwaltung abgenommen.

mordor-warschau
Privat angebrachtes Schild im Warschauer Mordor

Das Mordor von Warschau ist gerade mal ein paar Jahre alt und hat schon einen hohen Bekanntheitsgrad erreicht. Die Idee das Büroviertel im Stadtteil Mokotow nach dem „Schwarzen Land“ aus der Filmserie „Herr der Ringe“zu bennen kam von Rafal Ferber. Er arbeitet an der Domaniewska-Straße, dem Herzstück des fiktiven Viertels. Er veröffentlichte interessante und merkwürdige Ereignisse, die in der Nähe seines Arbeitsplatzes passierten und gab als Ort „Mordor an der Domaniewska-Strasse“ an. Viele fühlten mit ihm und  schloßen sich seiner Gruppe an. Mittlerweile hat die Facebook-Seite über 114 000 Mitglieder. Eine unglaubliche Erfolgsgeschichte.

Aktualisierung am 10.01.2019: Die Seite hat mittlerweile etwas über 160 000 Fans.

Früher war alles anders

mordor-in-warschau
Straßen Woloska und Aleja Lotnikow (heute Woloska und Aleja Wilanowska) DAMALS……

Weit und breit nur Weiden mit grasenden Kühen. Weit hinten auf dem Bild sieht man Wohnhäuser, später kommt noch der massive Plattenbau hinzu. Das war Mordor bis zum Sturz des sozrealistischen Systems in Polen. Dann kam der Kapitalismus – zwar langsamen Schrittes, aber dann mit gewaltigem Knall. Einkaufszentren, Bürogebäude, Restaurants und moderne Wohnhäuser. Heute sieht die gleiche Kreuzung aus wie auf dem nächsten Foto – im Vordergrund eines der flächenmäßig größten Malls in Warschau Galeria Mokotow, im Hintergrund der Plattenbau und nur 200 Meter weiter verläuft auch schon die Domaniewska-Straße. Das alles nur ca. 7 Kilometer Luftlinie vom Warschauer Stadtzentrum entfernt.

Lesen Sie auch:
The Warsaw Hub - 130 m

Grund für die Entwicklung

1951 erkärte die kommunistische Regierung, dass hier ein weiträumiges Industriegebiet entstehen wird. Die Bauern und Kühe mussten das Feld räumen, Fabrikhallen und Produktionsbänder nahmen ihren Platz ein. Schließlich gingen alle Bankrott, die Bänder blieben stehen und was blieb war billiges Land mit einer guten infrastrukturellen Anbindung. Investoren kauften das Land auf und zogen 10-stöckige Bürogebäude hoch. Nur die Stadtverwaltung war etwas überrascht und überfordert. Man hatte die Hoffnung, dass alles irgendwie gut gehen werde und dass keinem auffällt, dass hier eine architektonische Katastrophe gezüchtet wurde.

Die Konsequenzen

galeria-mokotow
…. und HEUTE

Es ist halt alles Mordor hier, sogar die Fahrt zu Arbeit…

Die Mall wurde nicht nur für die hier lebende Bevölkerung gebaut, sondern vor allem auch für die arbeitende Herrschar der sogenannten White-Collars. Allein in dieser Region arbeiten mittlerweile fast 150.000 Menschen. Stellen Sie sich nun vor, dass man nicht an eine U-Bahn-Verbindung gedacht hat. Oder anders: die U-Bahn-Linie wurde gebaut, allerdings verläuft sie weiter östlich. Diejenigen, die nicht schweißgebadet zur Arbeit kommen wollen, fahren mit dem Auto und verursachen so eine Verkehrs-Apokalypse. Immerhin steckt man in einem klimatisierten Gefährt fest. Die gestressten Anwohner, die aus ihrem eigenen Vorhof nicht herauskommen und deswegen schon tausende Beschwerdebriefe an die Stadtpräsidentin verfasst haben, lassen dieses Gebiet aussehen, wie das Schlachtfeld vor  Gondor. Es ist halt alles Mordor hier, sogar die Fahrt zu Arbeit…

Lesen Sie auch:
Der Warschau - Kiew - Express

Aus eigener Erfahrung….

…kann ich sagen, dass es für diese Viertel keine schönere und treffendere Bezeichnung gibt. Nach fast 2 Jahren, die ich hier als Angestellter verbracht habe, stieg meine Motivation beträchtlich, um aus meinem Leben etwas zu machen und von hier zu verschwinden. Als Stadtführer und Blogger sitzt man nur selten in einem Büro. Aber immerhin war es eine Lektion fürs Leben.

Lösungen

mordor-domaniewska
Bürogebäude im Warschauer Mordor

Einige Lösungsansätze wurden gemacht, doch der Stadt fehlen die finanziellen Möglichkeiten, um sich genau jetzt um das Warschauer Mordor zu kümmern. Es wird ja immerhin eifrig anderswo gebaut – Verlängerung der Metro, Abschluß des Warschauer Rings und Anbindung des langen Weichselufers. Die perfekte Lösung wäre eine Metro-Station an der Domaniewska-Straße. Doch das kann, wie gesagt, noch etwas dauern.

Bis dahin muss das Böse bekämpft werden. Immerhin wissen ja schon, dass Mordor fallen wird und neue schöne Zeiten werden kommen.

Antoni Administrator
Lesen Sie auch:
Inside Warschau: das sind die Top-Freizeitaktivitäten
Eigentümer von Walking Poland Group
Europäer mit polnischem Herz und deutschem Hirn! Jurist, lizenzierter Stadtführer in Warschau, Hobbyfotograf, Deutschlehrer.
Folgen Sie mir:
×
Antoni Administrator
Eigentümer von Walking Poland Group
Europäer mit polnischem Herz und deutschem Hirn! Jurist, lizenzierter Stadtführer in Warschau, Hobbyfotograf, Deutschlehrer.

Hinterlasse einen Kommentar

  Abonnieren  
Benachrichtige mich bei

Kommentare

Send this to a friend