Kommunalwahlen in Polen 2018

Am 21. Oktober haben die Polen in den Gemeinden ihre Vertreter für die nächsten 5 Jahre gewählt. Auf Deutsch gibt es dafür zahlreiche Übersetzungen – Kommunalwahlen, Regionalwahlen oder auch Selbstverwaltungswahlen, wie es tatsächlich aus dem Polnischen übersetzt heißen müsste. 

Ich bleibe bei den Kommunalwahlen Polen, weil das der Suchbegriff ist, den meine Leser in den Suchmaschinen eintippen werden. 

Wie es gelaufen ist und ob Sie sich nun über uns und um sich selbst mehr oder sogar weniger Sorgen machen sollten – darüber ist der folgende Beitrag. 

Wer oder was wurde gewählt?

Der Staat Polen unterteilt sich in drei Stufen der lokalen Selbstverwaltung:

  1. Wojewodschaft (vergleichbar mit den Bundesländern)
  2. Powiat (vergleichbar mit den (Land)-Kreisen)
  3. Gmina (vergleichbar mit Städten und Gemeinden)

Die Wähler entscheiden hier in erster Linie über die politisch-personelle Zusammensetzung folgender Vertreterversammlungen:

  • Sejmik Wojewódzki (Parlament der Wojewodschaft) – Anzahl 16
  • Rada Powiatu (Kreistag) – Anzahl 314
  • Rada Gminy (Gemeinderat sowie Stadträte in kreisfreien Städten) – Anzahl 2 477
  • Rada dzielnicy m. st. Warszawy (Stadtberzirksrat der Stadt Warschau) – Anzahl 18

Die deutschen Bezeichnungen sollen nur dem besseren Verständnis dienen. Bitte also dahingehend keine groß angelegten und Zeit raubenden Diskussionen beginnen. Es wissen ja alle, worum es sich mehr oder weniger handelt. 

Zudem wird ab 2018 alle fünf Jahre (1998 bis 2017 alle vier Jahre) entschieden, wer aus welcher Partei oder als unabhängiger Kandidat folgende Ämter besetzt:

  • Wójt gminy (Gemeindevorsteher) – Anzahl 1 547
  • burmistrz (Bürgermeister) – Anzahl 823
  • prezydent miasta (Stadtpräsident) – Anzahl 107

In Polen gab es am Wahltag 30 115 896 Wahlberechtigte Personen. Es wurden 46 745 Ratsmitglieder von 184 745 Kandidaten gewählt. Eigentlich sollten 46 747 Ratsmitglieder gewählt werden, allerdings wurde in zwei Wahlkreisen nicht gewählt, weil keine Wahlliste registriert wurde.

Für die 2 477 Ämter der Gemeindevorsteher, Bürgermeister und Stadtpräsidenten standen 6 958 Kandidaten auf den Listen.

Im ersten Durchgang wurden 1 826 Kandidaten gewählt. in weiteren 649 wird es einen zweiten Wahldurchgang geben.

In 2 Gemeinden wurde nur ein Kandidat registriert, der nicht die erforderlichen 50 Prozent der Stimmen auf sich vereinen konnte. In solchen Fällen wählt der Gemeinderat den Gemeindevorsteher oder Bürgermeister.

Ausländerwahlrecht

In einigen Fällen dürfen Bürger der Europäischen Union, die nicht die polnische Staatsbürgerschaft besitzen, an den Wahle in Polen teilnehmen. Dazu gehören die Wahlen der Gemeinderäte und der Stadtberzirksräte der Stadt Warschau sowie der Gemeindevorsteher, Bürgermeister und Stadtpräsidenten.

Es waren 2 416 EU-Bürger wahlberechtigt bei den Wahlen der Ratsversammlungen. 1 834 Stimmen wurden abgegeben.

Es waren 1 883 EU-Bürger wahlberechtigt bei den Wahlen der Gemeindevorsteher, Bürgermeister und Stadtpräsidenten. 1 422 Stimmen wurden abgegeben.

Die Wahlgrundsätze

Natürlich wird auch in Polen in allgemeiner, gleicher, unmittelbarer und geheimer Wahl gewählt. Und nein, Herr Kaczynskis Bildnis hängt nicht in jedem Wahllokal an der Wahlurne und die Soldaten stehen dort nicht mit einer Shotgun am Eingang – für die Sicherheit. Das verwechselt man oft mit Russland. Herr Putin wäre dahingehend wohl sehr gerne so europäisch wie Jaroslaw Kaczynski und Jaroslaw Kaczynski so russisch wie Putin.

Die Wahlbeteiligung – ein Schrecken

Die Polen sind echte Wahlmuffel. Bei der Parlamentswahl 2015 lag die Wahlbeteiligung bei gerade mal 50,91 Prozent und bei den Parlamentswahlen im selben Jahr bei 55,34 Prozent. 

Am 21. Oktober 2018 lag die Frequenz bei genau 54,96 Prozent. Vor vier Jahren war sie niedriger und erreichte 47,40 Prozent. Die höchste Wahlbeteiligung war in der Wojewodschaft Masowien mit der Hauptstadt Warschau mit 61,02 Prozent.

Es gibt zahlreiche Gründe für die niedrige Beteiligung am demokratischen Prozess. Sei es, dass die Polen von Natur aus mit Abscheu auf den Staatsapparat schauen oder auch grundsätzlich das Gefühl haben, dass die Staatsmacht sehr weit weg ist. Das letztere spürt man vor allem in der polnischen Provinz.

Es ist aber auch der Tatsache zu verdanken, dass die Bewohner dieses Landes oft umziehen oder wegziehen, ohne sich am neuen Lebensmittelpunkt dauerhaft zu registrieren. Daher leben in Warschau offiziell 1,7 Millionen Menschen, inoffiziell sicherlich schon weit mehr als 2 Millionen. Auch sind viele von den 2 Millionen ausgewanderten Polen sicherlich die meisten hier angemeldet. Und aus Deutschland, England, Island, Norwegen, Frankreich, Brasilien, Argentinien, USA, Dänemark, den Niederlanden und vielen anderen Ländern kommt sicherlich niemand für die Wahl der….  – genau – wen kann man denn hier eigentlich ruhigen Gewissens überhaupt wählen?

Die Wahlergebnisse

Sejmiki – Parlamente der Wojewodschaften

In den Parlamenten der Wojewodschaften gab es 552 Sitze zu verteilen.

ParteiSitzeprozentualer Anteil
Recht und Gerechtigkeit (PiS)25446 %
Oppositionskoalition (KO)19435,14 %
Bauernpartei (PSL)7012,68 %

Von insgesamt 16 Wojewodschaften ist die PiS in 9 Wojewodschaften stärkste Partei und die KO in 7.

kommunalwahl polen 2018

Die stärksten politischen Lager nach Wojewodschaft

Stadtpräsidenten

Die interessantesten Wahlen finden in den größten Städten Polens statt. Hier war vor allem Warschau unter ständiger Beobachtung. Der Kandidat der PiS sollte ein Gegenspieler für die in der Stadt seit 2006 regierenden Bürgerplattform sein (Bürgerplattform und Nowoczesna bildeten für diese Wahl die Oppositionskoalition). Doch schon im ersten Durchgang hat Rafal Trzaskowski die Wahlen in der Hauptstadt für sich entscheiden können. Auch in den weiteren großen Städten wie Krakau, Kattowitz, Gdansk, Breslau, Posen, Lodz oder Lublin hat die PiS keinen Wechsel am politischen Ruder herbeiführen können. In einigen Städten gibt es noch am 4. November den 2. Wahldurchgang.

Gesamtbild

Insgesamt gewinnt die regierende PiS vor allem in den Parlamenten der Wojewodschaften und die Oppositionskoalition in den Städten. Die Bauernpartei hat sehr viel verloren im Vergleich zur letzten Wahl, käme jedoch als Koalitionspartner in Frage, denn nicht in jeder Wojewodschaft kann die stärkste Partei die einfache Mehrheit an sich ziehen.

Die PiS hat sich sicherlich mehr erhofft und man merkt eine gewiße Niedergeschlagenheit, vor allem den vollen Schlag ins Gesicht sofern es um die Niederlage in Warschau geht. Die Oppositionskoalition hingegen gibt sich wieder etwas zu selbstsicher und ein bißchen gräuelt es schon, dass sie bis zur Parlamentswahl 2019 weiterhin die selben Fehler machen werden wie seit drei Jahren.

Angaben zum Beitragsbild

Quelle: Mariusz Szczepanik on flickr CC BY-NC-ND 2.0

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Kategorien:Wirtschaft und Politik

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