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Klimabericht für Warschau

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Klimabericht für Warschau 2018 (pl) – PDF (1,9MB)


Die Klimakoalition (KK) hat einen Klimabericht für Warschau veröffentlicht. Dargestellt wird der Einfluss der Klimaveränderung und der Luftverschmutzung auf die Gesundheit der Bewohner Warschaus. Zudem sollen Prognosen der zu erwartenden Veränderungen und die Konsequenzen aufgezeigt werden, falls nichts getan werde. Alles am Beispiel Warschaus.

Und weil dieser Bericht nur auf Polnisch verfasst wurde, möchte ich hier die wichtigsten Punkte zusammenfassen.

Klimakoalition – Koalicja Klimatyczna

Der Bericht ist von 2019 und wurde von Zbigniew Karaczun, Professor an der Warsaw University of Life Sciences (SGGW), und Weronika Michalak von HEAL Polska verfasst. Finanziert wurde er vom Klimafond des Außenministeriums der Bundesrepublik Deutschland. Lediglich die Einführung ist zusätzlich ins Englische übersetzt worden. Der Bericht hat 36 Seiten.

Die Klimakoalition (Koalicja Klimatyczna) ist eine Vereinigung von 24 Nichtregierungsorganisationen. Ihr Ziel ist es gemeinsam gegen die von Menschen gemachten Klimaveränderungen aufzuhalten. Mehr Informationen über die Koalition gibt es auf www.koalicjaklimatyczna.org

Die Klimaveränderung

Die Klimaveränderung ist ein vom Menschen geschaffenes Problem, welches es aufzuhalten gilt, so die Verfasser des Berichts. Die Konsequenzen spüren wir nämlich jetzt schon und vor allen Dingen: es gibt kein Zurück!

Was kommt auf uns zu? (die Maßeinheit der Temperatur ist Celsius)

  • die Durchschnittstemperatur in diesem Jahrzehnt ist 2 Grad höher als in den 50ern des 20. Jahrhunderts
  •  das wahrscheinlichste Klimaszenario lässt die maximalen Temperaturen in den Jahren 2041 – 2070 auf bis zu 43 Grad Celsius ansteigen
  • wenn der CO2-Ausstoß nicht begrenzt wird, dann steigt die Jahresdurchschnittstemperatur bis zum Ende des 21. Jahrhunderts um 2,6 – 4,5 Grad. Im Extremfall um 7 – 9 Grad
  • die Jahresdurchschnittstemperatur wird in Warschau in der nächsten Dekade 10 Grad übersteigen, sofern der Temperaturanstieg so konstant bleibt wie aktuell. Prognostiziert war diese Durchschnittstemperatur für die Jahre 2061-2070. Der schnelle Anstieg entspricht dem IPCC-Bericht von 2018 (Fußnote 15 im Bericht). Bisher lag die jährliche Durchschnittstemperatur zwischen 7 und 8 Grad
  • an 22 – 23 Tagen im Jahr werden die Temperaturen zwischen 30 – 35 Grad liegen (wahrscheinlicheres Klimaszenario 2041 – 2070)
  • bis zu 4 Tage im Jahr soll die Temperatur zwischen 35-40 Grad betragen (Hitze) (wahrscheinlicheres Klimaszenario 2041 – 2070)
  • die Regenmenge betrug bisher 520 mm pro Jahr. In den 20ern des 21. Jahrhunderts 550 mm pro Jahr. In den 50ern des 20. Jahrhunderts 470 mm pro Jahr.
  • bis 2040 soll die Niederschlagsmenge auf 600 mm pro Jahr ansteigen
  • bis 2080 soll die Niederschlagsmenge auf 700 mm pro Jahr ansteigen
  • nach 2080 soll die Niederschlagsmenge etwas fallen und sich bei 640 mm pro Jahr stabilisieren
  • Schnee lag im Schnitt 59 Tage im Jahr auf Warschaus Straßen (1966 – 1975) Dieser Wert ist in den Jahren 2011 – 2018 auf 46 gefallen
  • an 33 Tagen im Jahr lag die durchschnittliche Tagestemperatur nicht höher als 0 Grad Celsius
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Klima hat Zeit bis 2070

Wie man sich denken jann, werden Vorschläge gemacht, wie dieser Prozess aufgehalten werden kann. Schulungen, Fortbildungen, öffentliche Projekte und Werbekampagnen. Es sollen vor allem die Jüngeren angesprochenen werden, nach dem Motto „die Älteren sind doch eh bald nicht mehr dabei“. Unter anderem soll der öffentliche Nahverkehr gefördert werden, es wird gefordert, dass Parkanlagen nie weiter als 300 Meter entfernt angelegt werden und die erneuerbaren Energien sollen die herkömmlichen Kohleöfen langsam aber sicher ersetzen. Polen soll bis 2050 klimaneutral werden. Wie man vielleicht weiß wurde vor einer Woche die Klimaneutralität bis 2050 durch die Europäische Kommission bestätigt. Außer für Polen, welches sich als einziges Land für ein Opt-Out entschieden hat. Die Klimaneutralität hat hier nun bis 2070 Zeit.

Es sollen vor allem die Jüngeren angesprochenen werden, nach dem Motto „die Älteren sind doch eh bald nicht mehr dabei“.

Es gibt keine Generalprobe

Interessant finde ich die Forderung die zukünftigen Ärzte, Psychologen und Psychiater dahingehend auszubilden, dass sie mit tropischen Krankheiten und mit psychischen Schäden umgehen können, die hier zwar noch nicht auftauchen, aber bald (lies: in 20-50 Jahren) auftauchen werden. Das wird natürlich immense Kosten nach sich ziehen. Werden jene es bezahlen, falls sich herausstellt, dass die Ärzte das falsche gelernt haben? Zugleich ist es womöglich schon längst zu spät, wenn Ärzte im Jahr 2040 mit Krankheiten konfrontiert werden, die sie nicht kennen. Unabhängig davon, wie man zu dieser Sache steht: es gibt hierbei leider keine Generalprobe und ich möchte nicht in der Haut derjenigen stecken, die zunächst solch schwerwiegende Entscheidungen treffen und in absehbarere Zukunft Rechenschaft ablegen werden. Zugleich bin ich dafür, dass diejenigen sich entschuldigen, die heute einen feuchten Furz auf die Klimaveränderung geben. Schließlich gibt es dahingehend keine Einbahnstraße. Eines ist gewiss: die eine Gruppe wird die andere lynchen, wenn sich erstmal herausstellt, wer Recht behielt und wer nicht.

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Der Einfluss der Klimaveränderung auf unsere Gesundheit

Zurück zum Bericht: wie es scheint gehören 50 bis 70 Prozent der gesunden Bevölkerung zur Gruppe der sogenannten Meteoropathen. Das sind Menschen, dessen körperliches Befinden in übermäßiger Weise von Witterungseinflüssen bestimmt wird. Daher verwundert es nicht, dass in einem gesonderten Abschnitt die negativen Einflüsse der Klimaveränderung auf die Gesundheit dargestellt werden.

Über Warschau gibt es Daten nur zu bestimmten Ursachen für bestimmte Zeiträume.

  • in Warschau können Krankheiten auftauchen, die hier bisher nicht bekannt waren, wie z.B. Malaria (siehe vorherigen Abschnitt)
  • am 1. August 1994 starben 87 Menschen. Das war die höchste Sterbequote an einem Tag im genannten Jahr. Das Thermometer zeigte 36,4 Grad Celsius an. Das war die höchste Temperatur zwischen 1971-2001).
  • bei Minustemperaturen steigt die Sterberate um 3 – 7 Prozent. Nur bei länger andauernden Minustemperaturen steigt diese erheblich auf über 22 Prozent
  • der Anstieg der Hitzewellen nach 2040 kann die Sterbequote sogar um 225 Prozent ansteigen lassen

Luftqualität

Die Luftverschmutzung – so die Verfasser des Berichts – hängt nicht nicht unmittelbar mit der Klimaveränderung zusammen, hat jedoch die gleiche Quelle: das Verbrennen fossiler Brennstoffe.

  • den größten Einfluß auf die Luftqualität in Warschau haben die Verkehrsabgase (30 Prozent) und die Öfen der Privathaushalte (13 Prozent). Den geringsten Einfluß hat die Industirie (1 Prozent). Die umliegenden Dörfer und Gemeinden verursachen 56 Prozent der Luftverschmutzung Warschaus
  • die PM-2,5-Werte sind zwischen 2013 – 2018 stetig gefallen
  • 2014 starben 2826 Menschen im Alter von über 30 Jahre frühzeitig an den Folgen der PM-2,5-Feinstaubpartikelbelastung. Das verursachte einen Schaden von 2,13 – 6,43 Milliarden EUR. Es gingen 33079 Lebensstunden unweigerlich verloren. Dieser Teilbericht ist zwar im Bericht als Quelle angegeben, wurde jedoch selbst noch nicht veröffentlicht
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Wenn uns doch alle nur nachahmen würden

Und genau hier liegt wohl das Problem. Die ärmsten Staaten der Welt verursachen nur einen sehr geringen Teil des CO2-Ausstoßes. In Afrika gibt es Staaten, wo der Stromverbrauch pro Person gerademal bei 100 kWh liegt. Damit könnte man noch nicht mal einen Kühlschrank betreiben. Die Deutschen Verbrauchen über 6000 kWh pro Jahr pro Kopf. In Polen ist es etwa die Hälfte. Aber mittlerweile gibt es außerhalb der westlichen Welt Staaten, deren Stromverbrauch stetig wächst und der Hunger wird immer größer. Auf der Welt ist wohl das eingetreten, was niemand so schnell erwartet hat. Andere wollen nun auch so leben wie wir Europäer. Das ist nicht verwunderlich, wir tun bloß so, als ob es so wäre. Wie können wir von anderen fordern, dass sie gefälligst ihren CO2-Ausstoß reduzieren, obwohl sie zum Teil noch gar nicht angefangen haben? Das Fundament unseres Reichtums und Wohlstands ist schließlich auch Kohle und Stahl.

Und wenn die Europäer ihre Kohlebergwerke schließen, um derweilen in Afrika billigere Kohle einzukaufen, wo die Förderung noch mehr Schaden für die Natur und Umwelt bedeutet, gibt es sicherlich noch moralische und ethische Fragen, die es zu besprechen gibt.


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Europäer mit polnischem Herz und deutschem Hirn! Jurist, lizenzierter Stadtführer in Warschau, Hobbyfotograf, Deutschlehrer.
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