Warschau ist die letzte große Stadt und zugleich flächenmäßig grösste und bevölkerungsreichste, die endlich auch einen Weihnachtsmarkt bekommt. Dabei nicht irgendwo, sondern mitten im Herzen der Stadt, auf dem erst im Mai 2025 eröffneten Plac Centralny. Dieser Platz ist ein Teil des Plac Defilad, am Fuße des Kulturpalastes. Vor der Revitalisierung war die Umgebung des 237 Meter hohen Wolkenkratzers nur chaotisch. Die Hauptfunktion war ein Parkplatz.

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Ein Weihnachtsmarkt der Superlative
Am 28. November 2025 gehen die Pforten auf. Was die Gäste erwarten können, ist alles andere als ein kleiner improvisierter Adventsmarkt, wie er bis dahin auf dem Marktplatz in der Altstadt funktionierte. Nun steigt Warschau auch in das große Weihnachtsgeschäft ein. Zum ersten Mal kann sich die polnische Hauptstadt selbstbewusst mit den Klassikern in Wroclaw (Breslau) oder Krakow (Krakau) messen. So sehen die Fakten aus:
- bis zu 150 Holzstände (100 werden es bestimmt; darüber hinaus sind die Angaben nicht bestätigt)
- mit 50 Metern Höhe das höchste Karussel in Polen
- rund 2.000 Quadratmeter Nutzfläche
- ein Open-Air-Kino für winterliche Filmabende
Das Besondere an der ganzen Geschichte: der Weihnachtsmarkt wird von einer privaten Firma organisiert. Dafür zahlt sie 380.000 PLN Miete an die Stadt. Warschau stellt lediglich das Gelände zur Verfügung. Und wenn Politiker in solche Projekte nicht involviert sind, dann kann es eigentlich nur gut werden.

Regulierte Preise
Was mich besonders freut: die Organisatoren setzen bewusst auf vernünftige Preise und gute Qualität. Jeder Standbetreiber muss vorher die Preisliste an den Veranstalter schicken. Ist ein Produkt total überteuert, ohne einen triftigen Grund? Dann kommst du nicht rein. Das ist eine sehr gute Lektion der zum Teil total überteuerten Weihnachtsmärkte in anderen Städten. Schön, dass endlich auf die harsche Kritik reagiert. Was daraus wird, das werden wir noch sehen.
Gastronomie als Leitmotiv
Der Fokus des neuen Weihnachtsmarkts liegt eindeutig auf Essen & Atmosphäre. Die Gäste dürfen sich dahingehend auf ein abwechslungsreiches Ambiente und Programm freuen. Die Stände werden eine saisonale und regionale Küche in Form des sehr beliebten Street-Food anbieten. Zudem wird es die üblichen handwerklichen Produkte geben, die man mit Glühwein, Tee mit Rum und all den Kleinigkeiten in der Hand begutachten können wird.
Worauf wir alle jedoch gespannt sind, ist das Zusatzprogramm aus Musik, Lichtinstallationen und Filmvorstellungen, die den Weihnachtsmarkt von allen anderen abheben sollen. Das wird womöglich der entscheidende Faktor des Erfolges für die nächsten Jahre sein. Da dieser Weihnachtsmarkt, nicht wie eigentlich üblich, im Herzen einer Altstadt aufgestellt wird, sondern im Zentrum der Stadt, umgeben von Wolkenkratzern, muss der Veranstalter die Gäste mit zusätzlicher Atmosphäre überzeugen.
Warschau, eine Verwandlung
Der Plac Centralny, auf dem der Weihnachtsmarkt aufgestellt wird, wurde erst dieses Jahr (2025) nach einer langwierigen Renovierung für die Öffentlichkeit freigegeben. Direkt daneben steht das im Oktober 2024 fertiggestellte Museum für Moderne Kunst, welches in einem Jahr vom Theater TR flankiert wird. Die Hauptstraße Marszalkowska erfährt aktuell ebenfalls eine Metamorphose von einer breiten und leeren Verkehrsstraße in eine grüne und fußgängerfreundliche Prachtallee. Die ganze Innenstadt wird revitalisiert, umgebaut und modernisiert. Wo man in Warschau auch hingeht, überall wird gehämmert, gebohrt und gegraben. Warschau hatte nur selten eine so intensive Bauphase, obwohl ich schon vor einigen Jahren darüber in meinem Beitrag „Warschau, die größte Baustelle Europas“ berichtet hatte. Damals dachten wir alle, dass nach jenem Boom für lange Jahre nichts mehr kommen wird. Doch die Bautätigkeit jetzt übertrifft alles.

Eine neue Qualität
Mit dem Weihnachtsmarkt entstehen allmählich auch sichtbare Projekte, die der Bevölkerung und den Touristen einen Mehrwert geben. Und ich bin überzeugt, dass Warschau damit offiziell in den Wettbewerb um den besten Weihnachtsmarkt in Polen einsteigen wird. Es ist nun Zeit, dass wir nach den Anstrengungen der letzten Jahre vom Aufschwung auch profitieren können. Ein Glühwein am Weihnachtsstand am Fuße des Kulturpalastes, umgeben von Wolkenkratzern, gehört halt eben dazu.
Und wenn wir in Zukunft dann noch eine Jesusfigur auf die Spitze der Stalinstachel setzen, wäre das Gesamtbild endgültig perfekt!
P.S. Auf dem Beitragsbild sieht man den kleinen privaten Adventsmarkt mit Glühweinständen auf dem Marktplatz in der Altstadt. Aktuell ist es das einzige Bildmaterial, bis wir in ein paar Wochen sehen werden, was am Plac Centralny in Warschau entsteht. Ich bleibe, wie immer, am Ball, und melde mich mit Neuigkeiten.







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