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Warschau baut die meisten Wolkenkratzer in Europa

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Das geringe Angebot freier Grunstücke in der Warschauer Innenstadt lässt die Bauunternehmen sehr komplexe Bauprojekte durchführen. Die sehr ansehnlichen Hochhäuser werden schnell vermietet, zum Teil schon bevor sie überhaupt ihre maximale Höhe erreichen. Das Hauptaugenmerk der Großinvestoren richtet sich aktuell auf das Gebiet zwischen dem Rondo Daszynskiego und der Kreuzung der Straßen Marszalkowska und Swietokrzyska. Dreiviertel aller zukünftigen Büroflächen entstehen auf diesem relativ kleinen Gelände. Milliarden Euro werden hier verbaut. Warschaus Innenstadt ist dahingehend die größte Baustelle Europas.

Einst Flop, nun Top

Die höchste Wolkenkratzerdichte entsteht am Rondo Daszynskiego. Vier Hochhäuser befinden sich im Bau, zwei stehen schon, und als Sahnehäubchen startet ab 2020 in unmittelbarer Nähe die teuerste kommerzielle Investition in Warschau seit  1990, Towarowa 22. Summe: 3 Milliarden PLN, knapp 700 Millionen EUR.

Der Abschnitt der sogenannten Nahen Wola (Wola ist ein Stadtbezirk Warschaus) ist mittlerweile eng mit der Innenstadt verbaut. Den entscheidenden Impuls für die imposante Entwicklung dieses Stadtbezirks gab im Jahre 2014 die Eröffnung der zweiten Metrolinie. Noch vor zehn Jahren hat man diese Gegend gemieden. Es war gefährtlich und düster. Die alten Industriegebäude wurden baufällig und verfielen. In den Ruinen fanden Obdachlose und Drogendealer unterschlupft. Kaum jemand hatte Hoffnung, dass diese Gegend jemals wieder an die städtische Infrastruktur angeschlossen werden könnte. Mittlerweile befinden sich hier die teuersten Grundstücke der Stadt. Wola ist Sinnbild des Warschauer Aufschwungs seit 2010. Dabei ist das erst der Anfang des Aufstiegs.

Einzelne Projekte

Rondo Daszynskiego

Im Herbst wird der 140 Meter hohe Mennica Legacy Tower fertiggestellt. Auf 40 000 Quadratmetern werden dort etwas mehr als 3000 Menschen arbeiten. Die mBank verlegt hierhin ihre Hauptzentrale  und hat dafür nahezu die gesamte Bürofläche gemietet.

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Weiter geht es mit dem Skyliner, der auf 195 Metern nahezu 44 000 Quadratmeter Bürofläche auf den Markt bringen wird. Auf 165 Meter Höhe entsteht eine Skybar, von welchen es in Warschau immer mehr gibt. Die erste Bar dieser Art ist im Mariott-Hotel gegenüber dem Kulturpalast und dem höchsten Wohngebäude Europas, dem Zlota 44.. Eine weitere Skybar und Restaurant entsteht zudem auf 230 Meter Höhe im sich noch im Bau befindenden Varso Tower [310m]. Im Skyliner erwartet die Besucher in der riesigen Empfangshalle eine „spanische Treppe“ mit über 10 Meter Höhe.

Nur wenige Meter weiter in derselben Ecke des Kreisverkehres zieht der Investitionsgigant Ghelamco einen Gebäudekomplex in die Höhe. Die Gebäudeform des The Warsaw Hub ist schon gut sichtbar. Ende 2019 Anfang 2020 sollen die drei Gebäude fertiggestellt werden. In dem kleineren 86 Meter hohen Objekt werden sich ein Holiday Inn Express und das erste Crowne Plaza in Polen niederlassen. Die zwei weiteren 130 Meter hohen Hochhäuser werden Büroflächen zur Verfügung stellen. Insgesamt sind es 113 000 Quadratmeter. Alle Gebäude werden mit einem fünfstöckigen Podium verbunden. Auf diese Weise soll die Towarowa-Straße eine durchgängige Fassadenwand erhalten. Würde man die Gebäude aufeinanderstellen ergäben sie ein Hochhaus von 346 Metern.

Blickt man diagonal auf die andere Seite des Rondo Daszynskiego sieht man den Generation Park des Unternehmens Skanska. Auch hier sind es drei Gebäude, wovon das höchste mit Antenne 180 Meter messen wird. Alle drei zusammen bieten potenziellen Kunden in Kürze 84 000 Quadratmeter Büroflächen an.

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Ghelamco auf dem Vormarsch

Direkt daneben steht seit 2016 der Warsaw Spire mit 220 Metern Höhe. Ein Jahr nach der Fertigstellung wurde es zum Best Office & Business Development gewählt. Der modernste Wolkenkratzer der Welt ist in Warschau vor allem wegen der auf der Außenfassade verlaufenden weißen Aufschrift bekannt. Verantwortlicher Bauherr war Ghelamco.

Auf der gegenüberliegenden Straßenseite der Swietokrzyska-Straße entsteht der Warsaw Unit, ebenfalls von Ghelamco. Mit dem technischem Aufbau wird dieses Projekt 202 Meter messen. Alle sind schon gespannt auf den „Dragon Skin“, welcher aus tausenden losen Aluminiumplatten zusammengesetzt ist, welche auf Windstöße reagieren und die sich veränderten Himmelfarben reflektieren werden.

Rondo ONZ

Am östlich vom Rondo Daszynskiego gelegenen Rondo ONZ steht schon der ONZ 1. In ca. zwei Jahren bekommt er einen würdigen Nachbarn. Das Projekt Warsaw One ist schon abgeschlossen. Vorab muss jedoch das Ilmet-Gebäude abgerissen werden. Es ist das erste Hochhaus, welches in Warschau abgerissen wird.

Diagonal auf der gegenüberliegenden Seite entsteht aktuell der PHN-Tower mit 150 Metern Höhe.

An der Chmielna-Straße wird außerdem das höchste Gebäude in der Europäischen Union gebaut. Der Varso Place mit seinem 310 Meter hohen Varso Tower gehört mit einem Flächenangebot von 144 000 Quadratmetern zu den größten Bauprojekten in der Geschichte Warschaus. Zusammen mit den zwei Nebengebäuden hat der Komplex eine Gesamthöhe von 480 Metern.

Kleiner Projekte sind zudem der Central Point [93m] an der Kreuzung der Straßen Marszalkowska und Swietokrzyska, Nowa Emilie an der Emilii-Plater-Straße direkt neben dem Intercontinental-Gebäude, das Projekt Spark [130m] von Skanska an der Wolska-Straße oder das neue Gebäude des Jüdischen Theaters am Grzybowski-Platz. Und die Liste wird länger, denn die nächsten Projekte liegen schon im Warschauer Rathaus und warten auf die Baugenehmigung.

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Warsaw Spire | 220m

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Im Vegleich

Warschaus Konkurrentenstädte befinden sich allesamt auf dem europäischen Kontinent. Wolkenkratzer sind in Europas Städten nicht sonderlich beliebt. Dennoch gibt es sie und auch weltweit wird eifrig in die Höhe gebaut. Eine Entwicklung in diese Richtung bleibt nicht aus.

Zu den TOP-5 der höchsten Städte in Europa sind Moskau, London, Paris (La Defense), Frankfurt/Main und Warschau. Eventuell könnte man in Klammern noch Istanbul dazuschreiben. Es ist sehr interessant die Entwicklung dieser Städte beim Blick nach oben zu beobachten. Schön, dass Europa zwischen Elbe und Moskau nun auch einen würdigen Vertreter hat.


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Antoni Administrator
Eigentümer von Walking Poland Group
Europäer mit polnischem Herz und deutschem Hirn! Jurist, lizenzierter Stadtführer in Warschau, Hobbyfotograf, Deutschlehrer.
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