Wirtschaft

Nichts ist umsonst

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Es ist nicht alles EU

Jedes Mal, wenn ich über ein neues Bauvorhaben in Polen oder Warschau berichte, werde ich stets daran erinnert, dass Polen Geld von der EU bekommt. Es ist erstaunlich, wie sehr versucht wird zu beweisen, dass hier alles nur von EU-Gelder finanziert wird. Als ob dieses Land ohne Zugehörigkeit zur Europäischen Union nicht funktionieren oder gar existieren könnte. Dabei wurden vor den ersten Geldtransfers auch schon Straßen gebaut, Häuser renoviert und Regionen infrastrukturell erschlossen. Auch wenn die Geschwindigkeit nicht so berauschend war.
Dieser Fanatismus und Irrglaube geht sogar so weit, dass ein deutscher Tourist die Frechheit hatte zu behaupten, dass die Rekonstruktionder Warschauer Altstadt ebenfalls von der EU finanziert wurde. Nebenbei vermerke ich an dieser Stelle, dass die Altstadt in den Jahren 1949-1956 erbaut wurde.
Natürlich sind die EU-Gelder hilfreich und viele Projekte, vor allem der Ausbau der Autobahnen nach 2004, würden einfach auch länger dauern. Aber das Land ist nicht wesentlich kleiner als Deutschland; man wird hier subjektiv nur einen wirklich kleinen Teil überblicken können.

Wieviel bekommen wir denn nun?

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Wir haben von der EU 2023 netto ca. 8 Mrd. € erhalten. Das ist selbstverständlich viel Geld, aber auf 40 Millionen Einwohner umgerechnet ist es dann doch eine überschaubare Ziffer. Die Belgier haben über 7 Mrd. € erhalten. Pro Kopf bekommen wir (2023) 222€. Zum Vergelcih: die Tschechen 273€, die Rumänen 314€, die Griechen 394€, die Litauer 572€ und am meisten die Esten 627€. Ob man den Bewohnern dieser Länder auch solche Tabellen zukommen lässt?
Zudem muss man auch sehen, dass sich Polen ganz dem Weltmarkt geöffnet hat. Der deutsche Staat macht damit keinen direkten Gewinn, aber den Unternehmen, nicht nur aus Deutschland, wurde ein Markt mit 40 Millionen Menschen zur Verfügung gestellt. Der Gewinn dieser Unternehmen landet am Ende in den Herkunfstländern, also dann auch wieder in Deutschland.

Alles verdient seine Lobpreisung

Ich bin wirklich froh, dass es solche Projekte innerhalb der EU gibt. Aber wenn ihr wollt, nehme ich euch mit auf eine Stadtführung, und dann schauen wir mal, wieviele deutsche Unternehmen hier ihre Produkte verkaufen und wieviele Steuervergünstigungen sie auf meine persönliche Kosten erhalten haben.
Jeder weiß, dass jeder etwas davon hat. Diese Geldtransfers sind keine Geschenke!
Die polnische Politwelt hat sich direkt nach Ende des Kommunismus zwei große Ziele gesetzt: Mitgliedschaft in der Europäische Union und in der Nato. Dass diese schon 1999 und 2004 folgen würden, hätte sich niemand in den kühnsten Träumen ausgemalt. Polen gehört nach Europa und das nicht seit gestern. Im 10. Jahrhundert hat sich die polnische Elite taufen lassen und ging fließend in den römisch-katholischen Kulturkreis über. Diese Entscheidung war bewusst und gewollt. Daran lässt sich nicht rütteln.
Weil das so ist, sind auch die Vorteile die Polen, aber auch die Europäische Union, von der Mitgliedschaft Polens erhält, so natürlich wie die Symbiose von Pflanzen und der Sonne.

Antoni Administrator
Europäer mit polnischem Herz und deutschem Hirn! Eigentümer des Warschauer Touristikunternehmens Walking Warsaw (walkingwarsaw.com / stadtfuehrer-warschau.com), lizenzierter Stadtführer, Fotograf, Jurist (1. Staatsexamen/Deutschland)
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