Kultur

Magische Weihnachten in Polen: das Teilen der Oblaten

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Zwei Dinge, auf die ich mich an Weihnachten am meisten freue

Weihnachten steht vor der Tür und worauf ich mich jedes Jahr am meisten freue, sind eigentlich nur zwei Dinge: die zwölf traditionellen Mahlzeiten auf dem Tisch (dazu an anderer Stelle mehr) und dieser eine magische Moment, wenn die ganze Familie kurz vor dem Essen die Oblaten, den sogenannten opłatek, miteinander teilt, sich gute Wünsche zuflüstert und sich herzlich umarmt.

Der emotionalste Moment am 24. Dezember

In praktisch jedem polnischen Haus ist das Teilen der Oblaten am 24. Dezember der emotionalste Moment der gesamten weihnachtlichen „Prozedur“. Kein Essen, kein Geschenk und keine Dekoration kommt an diese paar Minuten heran. Es ist etwas nahezu Einzigartiges, das man nur schwer erklären kann, wenn man es nicht selbst erlebt hat.

Wie das Teilen der Oblaten abläuft

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Auch bei Großveranstaltungen teilt man

Man geht von Person zu Person, bricht jeweils ein kleines Stück von der Oblate des anderen ab und wünscht sich gegenseitig Gesundheit, Frieden, Glück und alles Gute für das kommende Jahr. Diese Wünsche sind oft sehr persönlich, manchmal rührend, manchmal überraschend offen.

Wichtig ist dabei, dass wirklich jeder mit jedem teilt – nicht nur einmal, sondern reihum. Erst wenn alle miteinander den opłatek geteilt haben, ist das Ritual abgeschlossen.

Versöhnung vor dem Weihnachtsessen

Die Oblate steht für Versöhnung, Gemeinschaft und einen Neubeginn. Streitigkeiten sollen vor dem Essen beigelegt werden – und davon gibt es in Polen bekanntlich nie zu wenige. Gerade deshalb hat dieser Moment eine so starke Bedeutung: Man beginnt die Wigilia bewusst ohne offenen Konflikt und mit einem symbolischen Neuanfang.

Erst nach diesem Ritual beginnt die Wigilia offiziell und das Weihnachtsessen kann starten, der Konsum kann endlich gebührend gefeiert werden. 

Abwesende, Verstorbene und Gäste

In vielen Familien werden zusätzliche Oblaten für abwesende oder verstorbene Angehörige aufbewahrt. Man denkt an Menschen, die nicht am Tisch sitzen können, aber trotzdem Teil dieses Abends sind.

Auch Gäste oder Nicht-Katholiken werden selbstverständlich einbezogen. Das Teilen der Oblaten ist in Polen ein kulturelles Ritual, nicht nur ein religiöses – Offenheit und Gemeinschaft stehen im Vordergrund.

Ein besonderer Weihnachtstipp für meine deutschen Leser

Wenn ihr in Deutschland euren polnischen Freunden etwas zu Weihnachten schicken wollt, dann ist eine Oblate das Wundervollste, was ihr in ein Paket legen könnt. Man wird es euch nicht so schnell vergessen. Wenn ihr an diese Tradition in Polen anknüpft, dann schafft ihr eine Bindung, die stärker ist als Geschäftskontakte, Geld und gemeinsamer Urlaub. Dann nämlich habt ihr Eintritt in die Tiefen der polnischen Seele. 

Frohe Weihnachten! Wesołych Świąt!

Antoni Administrator
Europäer mit polnischem Herz und deutschem Hirn! Eigentümer des Warschauer Touristikunternehmens Walking Warsaw (walkingwarsaw.com / stadtfuehrer-warschau.com), lizenzierter Stadtführer, Fotograf, Jurist (1. Staatsexamen/Deutschland)
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