Politik

Lehrerstreik in Polen. Tag 9. Wie lange halten es die Lehrer aus?

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Artikel 23 Absatz 2 des Gesetzes über die Beilegung von Tarifauseinandersetzungen stellt fest, dass der Streikende während des Arbeitskampfes

das Recht auf Sozialleistungen sowie die Berechtigungen, die aus dem Arbeitsverhältnis rühren, behält. Davon ausgenommen ist das Recht auf die Gehaltsauszahlung

Wie lange halten die Lehrer in dieser Situation aus?

Moralische Erpressung

Es ist nun schon der neunte Tag des Lehrerstreiks in Polen. Landesweit sollen sich sogar 80 Prozent der Lehrerschaft befinden. Doch die Fronten sind verhärtet. Die Regierungsmitglieder und die Abgeordneten der regierenden Recht und Gerechtigkeit (PiS) wiederholen wie ein Mantra, dass der Staat schlicht kein Geld mehr für weitere Gehaltserhöhungen oder Sozialleistungen hat. Die Lehrer, Gewerkschaften und Teile der Gesellschaft sind sehr verwundert, wenn man bedenkt, dass Herr Kaczynski noch vor ein paar Wochen wie ein Zauberer Geschenke versprochen hat, die nächstes Jahr sogar 40 Milliarden kosten können.

Die Lehrer stehen unter Druck, da die Schüler sich seit letzter Woche in einer Prüfungsphase befinden. In knapp einem Monat stehen die Abiturprüfungen bevor. Die Regierungsvertreter betonen, dass es ihnen vor allem um das Wohl der Kinder geht und bitten (sic!) die Lehrer den Arbeitskampf zu beenden. Entweder die Gewerkschaften, vor allem die größte ZNP / Zwiazek Nauczycielstwa Polskiego, nehmen das großzügige Angebot der Regierung an oder es wird keine Einigung geben.

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Geldnot

Neben dieser moralischen Erpressung haben die Lehrer noch das Problem, dass sie während des Streiks keine Gehaltsauszahlungen erhalten.

Es scheint, als ob man die Lehrer in die Knie zwingen wollte. Zum einen haben es die Bildungsministerin und auch Premierminister Morawiecki nicht sonderlich eilig, um die betroffenen Parteien an einen gemeinsamen Tisch zu bringen. Herr Morawiecki bittet die Streikenden seit Tagen höflich den Arbeitskampf über die Osterzeit zu pausieren um den Schülern die das Schreiben der Prüfungen in der Woche vor Ostern zu ermöglichen. Erst nach Ostern soll ein sogenannter runder Tisch einberufen werden. Warum nicht schon diese Woche? Auf diese Frage gibt es keine Antwort. Legt man es drauf an und hofft, dass die Lehrer allmählich nachlassen und nach Hause gehen?

Zumindest sammelt man im Internet Geld für die Lehrer. Bis Montag Abend waren es schon 5 Millionen PLN. Oder sind es gerade Mal 5 Millionen? Scheinen die Polen den Lehrerstreik zu unterstützen, aber nur auf dem gemütlichen Sofa?

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Der Verlauf

Der Streik begann am 8. April 2019. Die größte Gewerkschaft ZNP hat ihre Forderungen runtergeschraubt. Aktuell werden zwei Gehaltserhöhungen iHv. 15 Prozent verlangt, eine rückwirkend ab Januar 2019 und die nächste im September. Die Regierung bietet knapp 15 Prozent an.

Die Lehrergewerkschaft NSZZ Solidarnosc hat das Angebot der Regierung angenommen, was große  Aufregung in den eigenen Reihen hervorrief. Die Mitglieder verlassen seitdem Massenhaft die Vereinigung und fordern den Rücktritt des Vorsitzenden Ryszard Proksa.

Während des Arbeitskampfes legen die Schüler ihre Zwischenprüfungen ab. Bisher gab es dahingehend keine Schwierigkeiten.


Beitragsbild: Money Bends Time von Pictures of Money [CC BY-2.0]

Antoni Administrator
Eigentümer von Walking Poland Group
Europäer mit polnischem Herz und deutschem Hirn! Jurist, lizenzierter Stadtführer in Warschau, Hobbyfotograf, Deutschlehrer.
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