Geschichte

Eisenhower in Warschau, September 1945

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General Eisenhower landet in Warschau

Am 21. September 1945 kam General Dwight David Eisenhower, Oberbefehlshaber der alliierten Streitkräfte und späterer Präsident der USA, zu einem sehr kurzen Besuch nach Warschau.

Er wurde von Präsident Boleslaw Bierut eingeladen. Der ganze Besuch sollte insgesamt nur vier Stunden dauern. Doch in dieser Zeit konnte der spätere Präsident mit eigenen Augen sehen, welch unheimliches Leid die Stadt Warschau während des 2. Weltkrieges erlitt. Von 1,4 Millionen Einwohnern lebten im Januar 1945, am Tag der Befreiung durch die Rote Armee, im linksufrigen Teil zwischen 5-10 Tausend Menschen. Die Zerstörungen waren unvorstellbar. Die Stadt war ein Trümmerfeld, gedemütigt und gezielt in die Luft gesprengt von den Nationalsozialisten. Der Besuch von Eisenhower hatte große Bedeutung für die internationale Anerkennung der Tragödie, die Warschau getroffen hatte. Allerdings nur scheinbar.

Das Flugzeug mit Eisenhower an Bord landete kurz nach 11 Uhr auf dem Warschauer Flughafen Okecie, dem heutigen Chopin – Flughafen. Mit an Bord waren Generalleutnant Walter Bedell Smit, Stabschef, sowie der amerikanische Diplomat Robert Daniel Murphy. Der Gast wurde nicht von den ranghöchsten Militärvertretern empfangen, aber immerhin waren zahlreiche andere Generäle, Minister und Vertreter der Regierung der Nationalen Einheit vor Ort. Es Folgte das Militärorchester und schließlich die Ehrenkompanie.

Sie stiegen ins Auto und Fuhren in die Innenstadt zum Hotel Polonia, wo sich damals die Botschaft der USA befand. Die Delegation wurde von einer begeisterten Menschenmenge empfangen. Das Hotel gibt es heute übrigens immer noch unter dem Namen Polonia Palace Hotel.

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Eisenhower wird im Hotel Polonia empfangen

Warschau klagt an

Nach dem enthusiastischen Empfang vor dem Hotel Polonia fuhr Eisenhower durch die Stadt auf einer Route, die die wichtigsten symbolträchtigen Orte in Warschau abdeckte. Begleitet wurde er von General Spychalski und dem US-Botschafter Bliss Lane, der im Juli 1945 seinen Posten übernahm. 

Die erste Station war das Grabmal des Unbe­kannten Soldaten, wo Eisenhower einen Kranz niederlegte. An dieser Stelle wurde der General mit dem höchsten und ältesteten Militärabzeichen Virtuti Militari ausgezeichnet, was ihm vorab schon von der Exilregierung in London verliehen worden war.

Die nächsten Stationen waren die Altstadt und das bis auf die Grundmauern gesprengte Ghetto.

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Das zerstörte Warschauer Ghetto

Eisenhower besuchte auch die Ausstellung im Nationalmuseum „Warschau klagt an“ gemeinsam mit dem Bildungsminister Stanislaw Lorentz. Gezeigt wurden die immensen Zerstörung der letzten Jahre.

Der letzte Programmpunkt war der politisch wichtigste, nämlich das Treffen mit Präsident Bierut im Belvedere-Palast. Hier erhielt Eisenhower den Orden vom Kreuz von Grunwald I. Klasse Nach der Zeremonie sprach er noch einmal zu der versammelten Menschenmenge. Am Nachmittag flog er mit der Delegation zurück nach Berlin.

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Eisenhower auf dem Warschauer Marktplatz

„Ich sah Polen verraten“

In seiner kurzen, nur dreiseitigen Beschreibung des Besuchs im Buch „Saw Poland Betrayed“ I Ich sah Polen verraten betonte der US-Botschafter Bliss Lane die seiner Meinung nach sehr schlechte Vorbereitung der Visite durch die polnische Seite. Aus seiner Darstellung geht hervor, dass der Besuch in letzter Sekunde angesetzt wurde und dass das Programm nicht mit der amerikanischen Botschaft abgestimmt wurde. Das widerrum führte zu Chaos und einer angespannten Atmosphäre. 

Vergleicht man seine Aussagen mit dem Filmmaterial, so scheinen die Beschreibungen von Bliss Lane eher aus den Fingern gezogen zu sein. Womöglich war er frustriert über die amerikanische Politik in Osteuropa, was auch am Titel des Buches abzulesen ist. Sein Buch erschien 1948, nachdem er aus dem diplomatischen Dienst ausgeschieden war, enttäuscht über die US-Haltung nach den gefälschten Wahlen in Polen 1947.

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Bliss Lane auf den Ruinen in Warschau

Obwohl man meinen könnte, der Besuch des Oberbefehlshabers der alliierten Streitkräfte und künftigen US-Präsidenten Dwight Eisenhower hätte in Polen große Resonanz gefunden, war dies nicht der Fall. Die Kommunisten nutzten den Besuch für Propagandazwecke aus, aber die öffentliche Berichterstattung blieb spärlich, und viele Details wurden nicht veröffentlicht.

Die Stadt war zerstört, aber die Welt erfuhr es, trotz dieses Besuchs, nicht.

Antoni Administrator
Europäer mit polnischem Herz und deutschem Hirn! Eigentümer des Warschauer Touristikunternehmens Walking Warsaw (walkingwarsaw.com / stadtfuehrer-warschau.com), lizenzierter Stadtführer, Fotograf, Jurist (1. Staatsexamen/Deutschland)
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