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Die polnische Videospielbranche prescht am Weltmarkt voran

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Still und heimlich und für viele aus dem Rest der Welt unerwartet hat sich Polen mit einer rasant wachsenden Spielebranche auf dem Weltmarkt etabliert. Mit einer Bevölkerung, die Videospiele liebt, rund 400 registrierten Entwicklerstudios, einem von Wachstum gezeichneten Markt und der AAA-Gameserie The Witcher aus dem Hause CD Projekt konnte sich Polen kurzerhand einen Namen in der Videospielbranche machen und taucht nun auf dem internationalen Radar auf.

Wie sich Polen klammheimlich zum führenden Spieleexporteur entwickelte

Kaum jemand hätte vorhersagen können, dass ein Spielentwickler aus dem kleinen osteuropäischen Land es innerhalb von zwei Jahrzehnten zu Weltruhm schaffen würde. Genau dies ist Polen jedoch gelungen, denn die Spieleindustrie des Landes entwickelt sich aktuell rasanten Schrittes vorwärts und ist drauf und dran, sich auf dem Weltmarkt unter den Top-Rängen zu platzieren. Der aufstrebende Videospielmarkt in Polen war 2019 rund 664 Millionen US-Dollar wert, 2014 lag dieser Wert noch bei etwa 400 Millionen US-Dollar. Dem beachtlichen Wachstum soll nun auch kein Ende gesetzt sein, denn über die nächsten vier Jahre wird, wie eine Studie von PwC ergab, prognostiziert, dass Polen einen Videospielmarkt im Wert von rund 850 Millionen US-Dollar etablieren wird.

Der Platzhirsch Nummer eins auf dem polnischen Spielemarkt ist das Entwicklerstudio CD Projekt RED, deren Wert auf etwa sieben Milliarden US-Dollar geschätzt wird. Kombiniert sollen die Spieleunternehmen des Landes im vergangenen Jahr einen Wertanstieg um 82 Prozent verzeichnet haben und nun etwa 8,36 Milliarden US-Dollar kombinierten Wert verzeichnen. Die Studios CD Projekt, 11 bit studios, PlayWay and Ten Square Games führen die Top-Ränge der Studios in Polen an, insgesamt zählt das Land beeindruckende 400 Entwicklerstudios, die an der Börse notiert sind. In keinem anderen europäischen Land liegt diese Zahl dermaßen hoch, Deutschland verzeichnet dagegen unter den größten Spielentwicklern zwergenhafte 14 Entwicklerstudios mit über 100 Mitarbeitern, wie die Games Wirtschaft herausfand. Wie eine Studie der PKO Bank Polski ergab, soll sich Polen sogar zum viertgrößten Spieleexporteur mit einem weltweiten Marktanteil von 6,5 Prozent hinter China, Hongkong und Japan entwickeln.

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Gaming-Blockbuster Witcher stammt aus Polen

Treiber für diesen rekordverdächtigen Erfolg ist zweifelsohne die Spielserie The Witcher aus dem Hause CD Projekt RED. Die Gamereihe in einer mittelalterlichen Fantasiewelt entwickelte sich in den letzten 13 Jahren seit dem Release zu einem globalen Hit, der sogar international renommierte Publisher vor Neid erblassen ließ. Die Spielreihe basiert auf einigen polnischen Büchern und wurde im Dezember letzten Jahres sogar von Netflix zu einer Fernsehserie verfilmt. Bereits im ersten Jahr verzeichnete CD Projekt RED dank unter anderem aufwändiger Marketingaktionen über eine Millionen verkaufte Einheiten. Der zweite Teil folgte 2011, der dritte und aktuell neueste Teil The Witcher 3: Wild Hunt erschien 2015 und wurde mit Stand Juni 2019 über 20 Millionen Mal verkauft. Für die polnische Spielindustrie sind das gigantische Nachrichten, denn die inländische Spielentwicklung, die bereits seit den 1990ern am Wachsen ist, konnte damit erstmalig ein AAA-Game herausbringen, das mit dem Weltmarkt nicht nur mithalten, sondern sogar an der Spitze mitspielen kann. Damit nicht genug, denn Ende dieses Jahres wartet ein neuer Blockbuster am Gaming-Horizont: Cyberpunk 2077 vom selben Studio CD Projekt soll im September erscheinen. Schon jetzt sind die Ohren gespitzt und alle Welt ist gespannt, ob es die Polen zu einem weiteren Welthit schaffen werden.

 

Der polnische Spielentwickler CD Projekt RED ist für die Kreation einer weltweit renommierten Spieleserie verantwortlich: The Witcher

Ausländisches Interesse an Investitionen im Land steigt

Das osteuropäische Land, das zuvor nur wenig internationale Aufmerksamkeit in der Branche erhielt, erscheint nun zunehmend auf dem Radar der Welt. Immer mehr ausländische Unternehmen zeigen nun Investitionsinteresse in Polen und führen Gespräche über mögliche Kooperationen und Expansionen. So gibt es bereits die SMOK Ventures, eine Firma aus US-amerikanischer und polnischer Kooperation, die sich aktuell mit zwei Investoren aus Asien im Gespräch über die Gründung lokaler Gamingunternehmen in Polen befinden. Der kleine Spielentwickler Flying Wild Hof wurde erst im letzten Jahr von dem Londoner Unternehmen Supernova Capital übernommen und auch das polnische Studio Artificer wurde vom niederländischen Good Shepherd Entertainment gekauft. Die internationalen Gelder und das Knowhow aus anderen Ländern unterstützen die polnischen Entwickler zweifelsohne dabei, sich auf dem Weltmarkt weiterhin zu etablieren.

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Immer mehr Unternehmen aus aller Welt erkennen den Wert der polnischen Spielindustrie und öffnen ihre eigenen Niederlassungen im Land. Sogar Microsoft soll Gerüchten zufolge am polnischen Markt interessiert sein und womöglich Studios vor Ort für die Xbox Game Studios kaufen. Auch der iGaming-Softwareentwickler NetEnt erkannte den Wert Polens und öffnete eine eigene Niederlassung in Krakau, um vom polnischen Markt zu profitieren und einheimischen Spielern Casinospiele zur Verfügung zu stellen. Der renommierte Entwickler bietet seine hochqualitative Spielerfahrung auf einer der bekanntesten und größten Plattformen an, dem 888 Online Casino, das bereits seit 1997 existiert. Zum Spielen der Slotspiele wie Ocean’s Treasure und Divine Fortune kann im Online Casino Echtgeld gesetzt werden, um ein herausragendes Spielerlebnis zu genießen. 888 bietet ein breites Spielangebot, ist eines der am meisten frequentierten Online Casinos mit Echtgeld und bietet ihre Webseite sogar in Polnisch an. Damit setzt der Entwickler genau auf den richtigen Nerv, denn die Polen lieben Spiele.

Fast die Hälfte der Polen identifiziert sich als Gamer

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Viele Polen lieben es, Videospiele zu spielen

Games sind tief in der Kultur der Polen verankert. Diese Affinität zu Spielen stammt noch aus dem geschichtlichen Hintergrund des Landes, denn während der kommunistischen Vergangenheit waren Videospiele eine Art Verbindung zum Westen, die in Polen eine gigantische Community entstehen ließ. Von den rund 38 Millionen Einwohnern Polens bezeichnet sich fast die Hälfte als Gamer. Blickt man nur auf die Internetnutzer des Landes, sind es sogar über Dreiviertel der Polen, die Videospiele spielen, wie eine Umfrage der Statista ergab. Ein wichtiges Segment der Gamingbranche in Polen ist zudem der eSports, der hierzulande eine ganz besondere Bedeutung genießt. Eine der größten eSports-Eventserien der Welt, die Intel Extreme Masters , ist jedes Jahr in Polen zu Gast. Im vergangenen Jahr konnten über 230 Millionen weltweite Zuschauer verzeichnet werden. Auch große Videospielmessen und -festivals finden in Polen statt, wie etwa die Poznań Game Arena.

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Der Spielentwickler CD Projekt transformierte mit ihrem Erfolgsgame die Liebe zum Spielen der Polen auf den Bildschirm und trug die Leidenschaft in die Welt. Was ebenfalls für den Erfolg der Spielebranche des Landes spricht ist das Bildungssystem. Dieses bietet nämlich einen besonderen Fokus auf Informatik, sodass technologisch versierte Absolventen ihre Karriere in der Gamesbranche starten können. Mit dem aufstrebenden Erfolg wird sich dies in Zukunft mit hoher Wahrscheinlichkeit noch intensivieren. Hinzu kommt, dass selbst die Regierung die Liebe der Polen zu Videospielen anerkennt. Fast 80 Millionen US-Dollar an Förderungsmitteln ließ die Regierung über ein Programm der EU in die Gamesbranche fließen, um Entwicklern mit Zuschüssen zu helfen, junge Projekte zu realisieren.

Die Gaming-Welt blickt voller Spannung in Richtung Osteuropa, während Polen rasanten Schrittes am Weltspielemarkt voranprescht. Mit den steigenden Investitionen im Land, dem zunehmenden Interesse und dem scheinbar grenzenlosen Potenzial lässt sich vermuten, dass diesem Wachstum auch in Zukunft kein Abbruch getan wird.

Antoni Administrator
Eigentümer von Walking Poland Group
Europäer mit polnischem Herz und deutschem Hirn! Jurist, lizenzierter Stadtführer in Warschau, Hobbyfotograf, Deutschlehrer.
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