Die polnische Hussaria – erfolgreichste Kavallerie der Neuzeit

Die polnische Hussaria war über 100 Jahre lang eine ungeschlagene schwere Kavallerie und das militärische Fundament der polnischen Vormachtstellung östlich der Oder im 16. bis zur Mitte des 17. Jahrhunderts. Diese Überlegenheit auf militärischer, politischer und kultureller Ebene führte die polnischen Truppen bis zur Krim, nach Pskow und sogar auf den Kreml in Moskau im Jahre 1610.

Wenn der Pole über die Hussaria Filme guckt, Bücher liest oder sich Legenden erzählen lässt, dann schlägt sein Herz höher. Das Bild eines polnischen Husaren mit seinen berühmten Flügeln ist jedem in diesem Lande bekannt.Die Hussaria ist eng mit der polnischen Militärtradition verwoben. Zusätzlich haben die militärischen Erfolge der 1. Rzeczpospolita (15. Jahrhundert bis 1705) und die späteren Aufstände im 19. und 20. Jahrhundert dazu geführt, dass das Militär in Polen ein sehr hohes Ansehen genießen.

Da es auf deutsch kaum etwas über die Hussaria gibt und diese Formation (unverständlicherweise) in Westeuropa nahezu unbekannt ist, soll hier eine detailliertere Übersicht über die erfolgreichste Kavallerie der Welt in der Neuzeit folgen.

Namensunterscheidung und der Prototyp

Es gibt keine eindeutige Erklärung für die Herkunft des Namens Hussaria (polnisch Husaria). Einige Begriffe werden jedoch oft vermischt oder falsch verwendet. Hier nun eine kleine Übersicht über die Namens- wie Formationsherkunft.

hussaria

Prototypen der polnischen Hussaria

Der Prototyp der polnischen Hussaria kommt aus Ungarn. Dort nannte man die Reiterei usaren oder Raizen (polnisch Racowie – das polnische Rac war die altpolnische Bezeichnung für Serbe). Die Raizen waren serbische Söldnerreiter, die im 14. Jahrhundert in Ungarn angeworben wurden. Nach der verlorenen Schlacht auf dem Amselfeld im Jahre 1389 und der Annektion der Gebiete durch die Osmanen suchten die serbischen Söldnerheere Unterschlupf im christlichen Europa, um von dort den Kampf gegen die Türken weiterführen zu können. In der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts gelangten sie auch nach Polen. Sie trugen eine (damals viel kürzere) Lanze, einen Säbel ungarischer Art, ein Schild (statt einer Rüstung) und ritten auf wesentlich kleineren Pferden als die späteren polnischen Husaren. Gedacht war diese Formation als leichte Kavallerie. Die Ausstattung eines solchen Reiters bezeichnete man als usarisch.  Der Name usar heißt im Prinzip nichts anderes als bewaffneter Krieger. Sie nahmen an zahlreichen Schlachten auf der Seite des Königreichres Polen teil.

In der polnischen Sprache gibt es eine eindeutige Unterscheidung zwischen den Begriffen husarz und huzar. Der huzar (poln.) ist ein Reiter der leichten Kavallerie, der weder eine Lanze noch eine Rüstung trug. Diese Formation ist eine spätere Entwicklung der Reiterei in Ungarn. Auf deutsch bezeichnet man diese Reiter mit dem Namen Husar.

Der husarz hingegen bezeichnet konkret den polnischen Flügelhusaren, also die schwere Kavallerie als Weiterentwicklung der leichten und ursprünglich serbischen Einheiten.

Allerdings ist diese Unterscheidung den Polen selbst nicht immer geläufig und daher benutzen ausch sie die Bezeichnungen oft falsch.

Das macht es nun für die deutschen Bezeichnungen etwas schwierig. Im Prinzip müsste die spätere ungarische Variante Husar heißen. Für die polnische Formation als solche heißt es auf deutsch richtig Hussaria. Der Reiter müsste jedoch als Hussar bezeichnet werden – um ihn so vom Husaren abzugrenzen und das „s“ hart (= stimmlos) klingen zu lassen. So käme man auch dem polnischen s und z in der Aussprache sehr nah.

Im weiteren Verlauf des Textes wird nur die Bezeichnung Husar gewählt. Sollten Abgrenzungen nötig sein, wird die jeweilige nationale Husarenvariante vorangestellt.

Das erste Hussaria-Regiment

Als Gründungsjahr der polnischen Hussaria sieht man das Jahr 1503, als das polnische Parlament (Sejm) die ersten nationalen Banner (in Abgrenzung zu den Söldnerheeren) festlegte. Darunter waren auch Hussaria-Regimenter. Damals war es noch eine leichte Kavallerie. Die Einheiten hießen anfangs noch Raizen-Banner (chorągwie rackie).

Mehr als 100 Jahre ungeschlagen

Die Formation der Hussaria existierte von 1503 bis 1776. Die längste Periode, während welcher die Elitereiter ungeschlagen waren, begann 1503 und dauerte bis 1625. In dieser Zeit trug sie auch ihre größten Siege aus – oftmals gegen zahlreichere Truppen. Siehe dazu den Abschnitt „Außergewöhnliche Schlachten“.

Es ist jedoch nicht so, dass die Hussaria nicht an Schlachten teilgenommen hat, die letzten Endes doch verloren wurden. Die Hussaria war nur eine Formationen von vielen und diente vor allem der Durchbrechung der vorderen Reihen des feindlichen Gegeübers.

Truppenstärke

Anfang des 16. Jahrhundert machten die Husaren ca. 90 Prozent der Gesamtreiterei in Polen aus. Der Anteil sank im Laufe der Jahrzehnte

1600 – 160560 – 70 Prozent
1627 – 163340 – 50 Prozent

Die größte Truppenstärke erreichte die schwere Kavallerie im Jahre 1621. Bei der Schlacht von Chotyn (heute Ukraine) gegen das Osmanische Imperium wurden 8000 Husarenreiter aufgestellt.

Schön ohne seinesgleichen

Die polnische Kavallerie war damals nicht nur die beste Kavallerie auf den europäischen Schlachtfeldern, sondern zudem eine unglaublich schöne Erscheinung, vor allem während des Angriffs. Als der polnische König Johann III. Sobieski bei der Schlacht um Wien 1683 mit seinen Reiterkameraden vom Kahlenberg in das Lager der Osmanen hinunterritt, blieben die ausländischen Teilnehmer (Deutsche und Österreicher, die an dem Reiterangriff teilnahmen) stehen, um dieses Ereignis bewundern zu können.

 

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Ein polnischer Husarenreiter

Die Auserwählten

Ein Husar konnte nur werden, wer adelig war und genügend Geld auf dem Konto hatte. Adelig waren im polnischen Königreich ca. 8-12 Prozent der Bevölkerung. Im europäischen Vergleich ein unglaublich hoher Anteil. Zudem kannte der polnische Adel (= szlachta) keine unterscheidende Hierarchie, was heißt, dass jeder Adelige unabhängig von Reichtum und Besitz zur Familie gehörte und rechtlich gleichgestellt war. Kein Adeliger verbeugte sich vor dem anderen. Sogar der König hatte dahingehen keine Sonderrechte.

In die Reihen der Husarenformation wurden zumeist 18 bis 20-jährige Männer einberufen, die schon seit den Kindesbeinen an auf ihre Rolle vorbereitet wurden. In der Nähe jeder Adelsresidenz baute man eine 30 Meter lange Reitbahn, deren Ende ca. 3 Meter breit war. Auf diesen Bahnen übten sie abruptes Bremnsen und die schnelle Umkehr.

Überheblichkeit

„Möge der Himmel auf uns herabfallen, wir werden ihn mit unseren Lanzen stützen“. So was sagt man, wenn man sich seiner (zu) sicher ist. Auf der anderen Seite waren die Husaren überzeugt, dass sie eine Reiterformation zusammenstellen, die aus den besten Söhnen der vornehmsten Adelsfamilien besteht und somit einem besonderen Schutz der himmlichen Mächte untersteht. Ob es nun überheblich ist oder nicht, für eine gewiße Zeit in der Geschichte war es wohl tatsächlich so.

Die Elitesoldaten verachteten zudem die Uniformen, die ab dem 16. Jahrhundert in Westeuropa und in der polnischen Infanterie getragen wurden. Die Husaren verglichen jene Bekleidungsform mit dem livree – einer Uniform ähnlichen Bekleidung der Dienerschaft in den aristokratischen Häusern und Palästen.

Sie blieben im Prinzip bis zum Ende ihres Bestehens bei ihren Rüstungen und befestigten auf diese zusätzlich noch Leoparden- oder Tigerpelze mit den Krallen auf der linken Schulter.

Die Überheblichkeit – oder Selbstsicherheit – ließ sie auch bei der Panzerrüstung vielleicht einen Schritt zu weit gehen. Bis zum 17. Jahrhundert trugen sie Rüstungen aus 8 Millimeter dicken Stahlplatten, welche relativ leicht waren und die meisten Angriffe abwehrten. Auch Schußfeuerwaffen konnten dieser Rüstungsart nichts anhaben. Doch dann entdeckte jemand auf der Trajansäule in Rom ein Bildnis der Sarmatenkrieger, von denen der polnische Adel seine Herkunft ableitete. Jene trugen Schuppenpanzer. Also passten die Husaren dahingehend auch ihre Rüstung an. Statt Stahlplatten wurden mit der Zeit Stahlschuppen auf lederne Kaftane angehängt. Das geschah ungeachtet dessen, dass die Schuppenpanzer schwerer waren und weniger Schutz boten.

Nachahmungen

Zahlreiche andere Nationen versuchten die polnische Kavallerie zu kopieren, was nur mäßig gelang. Auch die ungarischen Husaren hatten denselben Ursprung, doch ihre Weiterentwicklung führte dazu, dass deren Reiter die Lanze abwarfen und mit der Zeit zur leichten Kavallerie umfunktioniert wurde. Die polnischen Husaren waren eine rein schwere Kavallerie.

Die Franzosen unter Ludwig XIV. hörten von den Errungenschaften der Polen. Er ersuchte also, dass man einen Eignungstest durchführt. Er verlangte, dass die Husaren einen Quadrille tanzen, was natürlich erbärmlich ausgesehen haben muss. Daraufhin entschied der König der Franzosen, dass diese Reitere nicht für Kriege geeignet sei.

Rüstung, Bewaffnung und Pferde

Die komplette Ausrüstung und das Pferd musste der Reiter selber finanzieren. Dafür musste er nahezu 10 Kilogramm Silber aufbringen. Wenn man bedenkt, dass Silber im 17. Jahrhundert 7 Mal teurer war als heute, wären es heute ca. 60 Tausend PLN, also ca. 15 Tausend Euro pro Mann. Das Pferd war mit 50 Prozent der Summe der größte Kostenfaktor. Hinzu kommen noch die Verpflegungskosten für seine Bediensteten. Nur die Lanzen wurden aus der Staatskasse bezahlt.

Pferd

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Ein Pferd der polnischen Hussaria

Die Pferde waren eine Kreuzung des polnischen Tarpans mit den sogenannten östlichen Pferden (aus polnischer Sicht), also Pferden persischer oder türkischer Gattungen, welche man in zahlreichen Kriegen mit den Osmanen und Tataren im Osten und Südosten des Königreiches erbeutete. Diese Mischung ermöglichte es Pferde zu züchten, die sehr schnell, ausdauernd und nicht allzu wählerisch beim Futter waren.

Ein solches Pferd kostete unglaublich viel. Dabei muss man bedenken, dass die Sterberate 3 bis 4 Mal höher war als diejenige der Reiter.

Da es für die Aufstellung eines Husarenreiters unabdingbar war genau solche Pferde zu bekommen, verwundert es nicht – natürlich aus der Sicht im 16. und 17. Jahrhundert –  dass für den Verkauf dieser Pferde ins Ausland die Todesstrafe verhängt wurde.

Sattel

Der Sattel wurde bei den Türken und Tataren abgeguckt. Zwie Tragarme um den Rücken des Pferdes herum dienten dazu den idealen Schwerpunkt zu setzen und führten zu einer verbesserten Bewegungsfreiheit. Sowohl das Pferd wie auch der Reiter hatten es den Umständen entsprechend gemütlich. Diese Sattelform wurde etwa 100 Jahre später auch in den westeuropäischen Reiterformationen eingeführt.

Rüstung

Die Rüstung wog ca. 12 bis 16 Kilogramm. Sie bestand anfangs aus einer Plattenrüstung mit einer Dicke von 8 Millimetern. In späterer Zeit wurde sie aus Stahlschuppen, die an den ledernen Kaftan gehängt wurden, gefertigt. Hinzu kam natürlich noch die Beckenhaube.

Der polnische Adel sah in den Sarazzenen ihre unmittelbaren Vorfahren, die ebenfalls eine solche Rüstung benutzten. Mehr dazu im Abschnitt „Überheblichkeit“ (weiter oben).

Es geht das Gerücht um, dass der vermehrte Einsatz von Schusswaffen zum Untergang der Hussaria geführt hat. Bewiesen ist jedoch, dass bis zum Ende des Bestehens der Hussaria die Sterblichkeitsrate auf einem sehr niedrigen Niveau gehalten werden konnte. Die tatsächlichen Gründe für das Ende der Effizienz der Formation muss anderswo gesucht werden.

Lanze

Die Lanze war das Herzstück der zahlreichen Waffen, die ein Husar bei sich trug. Grundsätzlich erfolgte ab dem 15. und 16. Jahrhundert eine Abkehr dieser Stangenwaffe in den Reiterformationen in Westeuropa und schließlich auch eine Abkehr von schweren Reiterformationen überhaupt. Der Grund war u.a. das Aufkommen schwerer Söldnertruppen mit langen Piken (Pikeniere), die die Kavallerie nicht mehr effizient schlagen konnte. Im Falle der Husaren-Lanzen ging die Entwicklung nicht nur weiter, sondern erreichte dahingehend einen unglaublichen Kampfvorteil. 

Bis zur Mitte des 16. Jahrhundert war die Lanze aus Tannenholz und nicht länger als 3 Meter. Später wurde sie aus Espenholz gefertigt, von der Spitze bis zum Knebel ausgehöhlt und so auf eine Länge bis zu 6 Meter verlängert. Somit waren die Pikeniere für die polnische Hussaria kein Hindernis. Diese Lanzenlänge wurde von keiner anderen Reiterformation je erreicht.

Die Aushöhlung erfolgte in sogenannten „Hälften“. Man Schnitt das Holz in zwei gleiche Teile und klebte diese anschließend zusammen. Von außen umwickelte man diese Teile  mit Hanffaser und beschmierte anschließend alles mit Teer.

Obwohl die Lanze eine Dicke eines Armes hatte, war sie bemerkenswert leicht. Das Gewicht lag bei etwa 2,5 Kilogramm.

Damit der Reiter die Lanze nicht die ganze Zeit tragen musste, steckte man diese in speziell am Sattel befestigte Buchsen. Auch während des Angriffs blieben die Lanzen in diesen beweglichen Halterungen (nicht bei jedem Reiter) damit das Gesamtgewicht von Reiter und Pferd beim Aufprall auf die Lanzenspitze übertragen werden konnte. Die Kraft, die dahinter steckte, war gewaltig, auch ohne Buchsenhalterung.

Die an der Spitze angehängten Stoffwimpel waren bis zu 3 Meter lang und hatten einen psychologischen Mehrwert. Zum einen erschreckten sie die gegnerischen Pferde, die solcher Anblicke zumeist nicht gewohnt waren. Zum anderen ließen sie die Anzahl der Hussaren in den Augen der Gegner künstlich anwachsen.

Bis heute sind nur noch 5 Originallanzen erhalten geblieben. Drei Stück befinden sich im Schlossmuseum in Kórnik, eine im Regionalmuseum in Tarnów (mit einem echten Stoffwimpel) und eine in der Rüstkammer auf dem Wawelschloß in Krakau.

Panzerbrecher (poln. koncerz)

Der Panzerbrecher kam in ganz Europa zur Anwendung. In Polen wurde er jedoch lediglich von der Reiterei und nur gegen Fußtruppen mit Stangenwaffen wie den Piken eingesetzt. Die schwertähnliche Waffe wurde von den Husaren unter dem Knie festgebunden. Zum Einsatz kam die Waffe beim Verlust der Lanze oder wenn keine Zeit blieb, um die nötige Geschwindigkeit für den Angriff mit der Lanze zu erreichen.

Der Husaren-Säbel

Die Säbel der Husaren wurden individuell an die Körpergröße und Handform des Reiters angepasst.

Die spezifische Säbelart mit geschlossenem Griff war die perfekte Mischung der ungarischen, westeuropäischen und türkischen Säbelarten. Die Krümmung ermöglichte das Stoßen vom Pferde und im individuellen Nachkampf.

Schon im 18. Jahrhundert ging das Wissen über die Fertigung der Säbel allmählich verloren. Erst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhundert gelang eine originalgetreue Kopie eines Husaren-Säbels. Dieses Säbel wird nicht ohne Grund von zahlreichen (polnischen) Historikern als die perfekte Entwicklung von Säbeln weltweit angesehen.

Die Flügel

Sie bestanden aus mit Leder beschlagenen Holzstangen, auf denen man Federn von Adlern, Falken oder Geiern befestigte. Einige benutzten auch Gänsefedern – diese musste man jedoch vorher färben.

Die berühmten Flügel waren kein für den Kampf notwendiges Element. Dennoch erfüllten sie ihren Zweck. In vielen Ausarbeitungen spricht man davon, dass das Rauschen der Federn die gegnerischen Pferde erschreckten. Das muss man jedoch verneinen. Ein solcher Effekt kam überhaupt nicht zustande, da schon die Hufen und das Geschrei auf dem Schlachtfeld alles übertönte. Dennoch erschracken die Pferde vor dem Anblick der eigentümlich aussenden Gestalten (was die Stoffwimpel auf den Lanzen verstärkten). Auch schien es, als ob da mehr Reiter unterwegs waren als es in Wirklichkeit der Fall war.

In vielen polnischen Ausarbeitungen herrschte lange Zeit Unsicherheit, ob die Flügel überhaupt jemals während einer Schlacht getragen wurden. Es scheint jedoch mittlerweile bewiesen (Augenzeugenberichte, politische Depechen ausländischer Diplomate, persönliche Briefe), dass sich die Flügel in späterer Zeit tatsächlich auf dem Pferd befanden.

Der Husaren-Angriff

Zusätzlich zu der ordentlich durchdachten Rüstungsanordnung, dem entsprechenden Pferd und der technologisch hochwertigen Lanze kommt das wichtigste Element hinzu, welches die polnische Hussaria so erfolgreich machte – der Angriff selbst. Es war eine Mischung aus osteuropäischer Manövrierfähigkeit und Schnelligkeit sowie westeuropäischer fester und kraftvoller Kampfformation.

Die Husaren begannen ihren Angriff in relativ großen Abständen von ca. 3 Metern zu ihrem Kampfgefährten. Diese Methode machte es den Musketieren und anderen Soldaten, die mit Schußfeuerwaffen kämpften, äußerst schwierig die Reiter zu treffen. Die Schützen schossen zudem nicht auf ein konkretes Ziel, sondern zumeist vor sich hin. Die Masse sollte ihr übriges tun.

Erst 60 bis 100 Meter vor dem Aufprall schlossen sich die Reiter zu einem festen Block zusammen, Knie an Knie reitend. Diese Manövrierfähigkeit war nicht einfach zu erlernen und bedurfte jahrelanger Übung und Praxis.

Die Geschwindigkeit des geschloßenen Blocks betrug ca. 40 Kilometer pro Stunde. Der Zusammenstoß ließ den Feinden keine Chance.

Die Pikeniere als schwere Infanterie in großen Teilen Europas stellten für die Husaren kein Hindernis dar. In die gegnerischen Reitereien stießen die Husaren rein wie ein warmes Messer in die Butter. Das einzige, was die Husaren hat aufhalten können, waren mobile Befestigungen auf ihrem Wege zum Feind oder ungeeignete Bodenverhältnisse wie Matsch und Schlamm oder sehr weicher Boden. Die weiten Felder und Weiden in Osteuropa boten den Husaren jedoch grundsätzlich ausreichend Platz und Möglichkeiten, um die Stoßkraft vollends ausnutzen zu können.

Untergang und Ende

Den Hauptgrund für den Zenit der polnischen Hussaria sehen viele vor allem in der Einführung der Schussfeuerwaffe. Dabei wurde die Feuerwaffe parallel zur Entwicklung der Hussaria entwickelt. Zudem gab es zu Anfang des 19. Jahrhundert nahezu in jedem europäischen Land eine Rüstung tragende Reiterei – man nannte sie Kürasserie – deren Zeit erst im 1. Weltkrieg endete. Noch sogar im 20. Jahrhundert wurde die Kavallerie vielerorts eingesetzt.

Vielmehr muss man das Gesamtgeschehen im Königreich Polen im 18. Jahrhundert betrachten. Disziplinlosigkeit, fehlende Gruppenausbildungen und die sinkende Moral der potenziellen Kandidaten waren vielmehr ausschlaggebend für den Fall dieser prächtigen Formation. In Polen herrschte im 18. Jahrhundert eine derartige politische Freizügigkeit und ein anarchieähnlicher Zustand innerhalb des Adligenstandes – welchen sie selber als Goldene Freiheit bezeichneten – dass sich da kaum jemand noch um die Kriegskunst kümmerte, geschweige denn um das Los des Königreiches überhaupt.

Das Endgültige Ende folgte im Jahre 1776, als das polnische Parlament die Husaren-Regimenter auflöste und eine neue leichte Kavallerie (auch Kürasserie) einberief. Daraus entwickelten sich im Laufe der Zeit die polnischen Ulanen-Regimenter.

Außergewöhnliche Schlachten

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Angriff der polnischen Hussaria

  • Schlacht bei Kirchholm (heute Lettland)  gegen die Schweden am 27.09.1605 (Karte)

Das ist der großartigste Sieg in einem Kampf unter Beteiligung der Hussaria. Die polnischen Streitkräfte setzten sich zusammen aus 3750 Soldaten, wovon 1750 Husaren waren. Die Schweden stellten 12300 Soldaten auf. Auf schwedischer Seite gab zwischen 6-9 Tausend Tote, die meisten wurden während der Flucht getötet. Die Polen verloren ca. 100 Soldaten, nur 13 Husarenreiter. 

Das Kräfteverhältnis lag bei 3 zu 1 zugunsten der Feinde.

  • Die Schlacht bei Kłuszyn (heute Russland) gegen die Russen am 4.07.1610 (Karte)

Die Schlacht fand während des russisch-polnischen Krieges von 1609-1618 statt. Nach diesem Sieg war der Weg nach Moskau frei. Polnische Soldaten marschierten daraufhin am 29. September 1610 in Moskau ein und besetzten den Kreml insgesamt 2 Jahre lang.

Die polnische Armee bei Kłuszyn bestand aus 7358 Soldaten – davon 5608 Husaren. Die Anzahl der Husarenreiter ist jedoch sehr strittig. Zahlreiche Historiker gehen von einer maximalen Truppenstärke von nicht mehr als 3080 Husarenreitern aus (siehe dazu: www.ciekawostkihistoryczne.pl / Punkt 5 – polnisch). Die Russen stellten zwischen 35000 und 48000 Soldaten auf.

Das Kräfteverhältnis lag bei 5 zu 1 zugunsten der Feinde. 

  • Schlacht bei Chocim (dt. Chotyn) (heute Ukraine / Karte) gegen die Türken am 7.09.1621

Zu dieser Schlacht kam es während des polnisch-ottomanischen Krieges 1620-1621. Die Türken wurden vom Sultan Osman II. angeführt. Die Schlacht dauerte vom 2. bis zum 9. September. Es standen sich insgesamt 46-50 Tausend Polen und ca. 100-120 Tausend Türken gegenüber. Am besagten 7. September kam es zur entscheidenden Etappe, als 600-640 Reiter – davon 520-560 Husaren) 10000 Feinde in die Flucht schlugen.

Das Kräfteverhältnis lag bei 15 zu 1 zugunsten der Feinde.

  • Schlacht bei Wien am 12.09.1683 gegen die Türken

Die polnischen Husarenreiter führte dieses Mal der polnische König Johann III. Sobieski persönlich an. Die beflügelten Reiter ritten vom Kahlenberg bei Wien direkt in das Hauptlager des türkischen Generals Kara Mustafa.

3600 Husaren zerschlugen die Türken in 30 Minuten. Die Osmanen flüchteten. Das war auch das Ende der Invasion des Osmanischen Imperiums in Europa.

Die ungenutzten Chancen

Die Ausgänge der 3 prächtigsten Siege der Husarenreiter bei Kircholm 1605, Kłuszyn 1610 und Wien 1683 wurden weder militärisch und vor allem nicht politisch genutzt. Es blieb bei allen drei Siegen nur bei einer Art Heroisierung der polnischen Kavallerie. Die einzigen, die aus diesen Schlachten gelernt haben, waren letzten Endes die Feinde selbst.

Doch das ist eine etwas andere Geschichte. 

Quellen

  • Gembarzewski, Bronisław: Husarze. Ubiór, oporządzenie i uzbrojenie 1500-1775. Wydawnictwo Napoleon V, 2017, ISBN: 978-83-65746-14-6 [polnisch]

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