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Die Diana von Houdon – Rückkehr nach Warschau

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Im Palast auf der Insel im Königlichen Lazienki-Park steht sie nun wieder: die Büste von Diana, mit ihrem ausschweifenden Blick ins Nirgendwo. Die meisten werden ahnungslos an ihr vorbeigehen, Kenner der Kunst werden sie bewundern. Doch kaum jemand wird wissen, welch dramatische Geschichte hinter diesem Meisterwerk steht. 

Ein französischer Klassiker in Warschau

1777 schuf der französische Bildhauer Jean-Antoine Houdon die Büste der Göttin Diana, ein Symbol für Reinheit, Anmut und ideale Schönheit. Schon kurz darauf gelangte die Skulptur aus hellem Carrara-Marmor nach Warschau und wurde in die Kunstsammlung des Königs von Polen Stanislaw August Poniatowski aufgenommen. Als König ist Stanislaw August keine glänzende Persönlichkeit, doch als Mäzen und Ästhet gehört er zur europäischen Creme de la Creme. Der Palast im Lazienki-Park war für Stanislaw August keine gewöhnliche Residenz. Während das Königsschloss in der Altstadt das Symbol seines Scheiterns widerspiegelt, schuf er mit der gesamten Lazienki-Anlage ein Zentrum der Kunst und Bildung, das Geschmack lehren und zeigen sollte, dass Polen zur kulturellen Elite Europas gehörte. Warschau sollte dahingehend Paris und London nachziehen.

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Lazienki Krolewskie @ Dawid Zawila via wikimedia

Der Palast auf der Insel hatte neben der Funktion einer Behausung auch die Funktion einer Galerie mit Werken von Canaletto, Bacciarelli und Rembrandt. Houdons Diana nahm hier einen besonderen Platz ein. Die Skulptur konnte sogar über die drei polnischen Teilungen hinaus bewundert werden. Doch dann kam der Super-GAU für Polen als Land, Gesellschaft und Kulturlandschaft.

Raub und Verschwinden

Im Jahr 1940 raubten die deutschen Besatzer die Diana zusammen mit 56 Bildern aus der königlichen Kollektion aus dem Palast. Die Kiste mit der Nummer 109 wurde im November 1940 nach Krakau transportiert. Dort schmückte die Büste zeitweise die Wohnung des Generalgouverneurs Hans Frank, bevor sie spurlos verschwand. Über 70 Jahre lang galt Houdons Diana als eine der wichtigsten verschollenen Kunstwerke Polens.

Dabei hatte die Büste Dianas schon während des 1. Weltkrieges ihre Erfahrung als Raubgut. Als nämlich die Russen 1915 die Stadt Warschau verließen, räumten sie bei Gelegenheit die Kunstgalerien leer. Diana gelangte so mit Tausenden von Objekten ins tiefe Russland, kehrte dann aber schon 1922 auf Grundlage der Bestimmungen von Riga zurück nach Polen. 

Es lässt mich immer wieder schmunzeln, wie vorsichtig zahlreiche Autoren, die dieses Geschehen beschrieben haben, sind. Sie benutzen oft Wörter wie „verschwunden“ oder „verschollen“. Am Ende bleibt es beim Raub. Solche Objekte verschwinden nicht von alleine. 

Der französische Meister

Jean-Antoine Houdon (1741-1828) gilt als einer der größten Bildhauer des französischen Klassizismus. Er studierte an der Académie royale in Paris und setzte sein Studium in Rom fort. Berühmt wurde er durch seine Porträtbüsten. Seine bekanntesten Werke sind die Porträts von Voltaire, Rousseau, Diderot und George Washington, deren Büsten heute noch im Kapitol in Washington D.C. stehen.

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Jean-Antoine Houdon

Wien – die Wiederentdeckung

Die Geschichte ist sehr dramatisch, aber endet mit einem Happy End. Der Wendepunkt kam 2015, als im Katalog des Wiener Auktionshauses im Kinsky eine Marmorbüste mit dem Titel „Jean-Antoine Houdon, Diana, um 1777“ auftauchte. Dank der Recherchen polnischer Experten und der alten Inventare von Marcello Bacciarelli konnte das Werk eindeutig identifiziert werden. Die Signaturen „A. Houdon, F. AN. 1777“ und „1780“ bestätigten seine Herkunft. 

Nach einer diplomatischen Aktion, an der das polnische Kulturministerium, die Botschaft in Wien und die Art Recovery Group in London beteiligt waren, erklärte sich der private Besitzer bereit, die Skulptur freiwillig zurückzugeben.

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Diana von Houdon 1777 @ Lazienki Krolewskie

Die Rückkehr

Im Dezember 2015 kehrte Diana feierlich nach Warschau zurück. Heute steht sie wieder an ihrem historischen Platz im Palast auf dem Wasser, 1. Etage, Zimmernummer 2.

Diese Geschichte ist ein Symbol für die kulturelle Kontinuität und ein Triumph der Erinnerung.

Antoni Administrator
Europäer mit polnischem Herz und deutschem Hirn! Eigentümer des Warschauer Touristikunternehmens Walking Warsaw (walkingwarsaw.com / stadtfuehrer-warschau.com), lizenzierter Stadtführer, Fotograf, Jurist (1. Staatsexamen/Deutschland)
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