Elisabeth von Habsburg (Elżbieta Rakuszanka) wird in der polnischen Geschichtsschreibung als Mutter der Könige genannt. Und das nicht ohne Grund. 4 ihrer Söhne waren Könige in Polen, Böhmen, Ungarn und Kroatien. Ein Sohn wurde heiliggesprochen, ein weiterer war Kardinal und Primas von Polen. Die Töchter wurden als gute Partien an Herzöge und Könige vergeben. 

Selber mochte sie über sich sagen, dass sie die Enkelin eines Kaisers und Tochter, Schwester und Gattin von Königen sei.

Beitragsinhalt

Habsburger und Jagiellonen vereint
Elisabeths Aussehen war erschreckend
Ihre Kinder

— Ladislaus – König

— Hedwig

— Kasimir (heilig)

— Johann I. – König

— Alexander – König

— Sofia

— Elisabeth

— Sigismund I. der Alte – König

— Friedrich Jagiello – Kardinal

— Elisabeth

— Anna

— Barbara

— Elisabeth

Die Jagiellonen-Dynastie

— Das Königreich Polen und Preußen

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Habsburger und Jagiellonen vereint

Elisabeth war die Enkelin des Kaisers des Heiligen Römischen Reiches Sigismund von Luxemburg. 1436 erblickte sie das Licht der Welt. Es lag also im Interesse der Jagiellonen ein Ehebündnis mit den Habsburgern einzugehen, denn in Elisabeth floß das Blut aller Kaiser aus den Häusern der Luxemburger, Habsburger und Wittelsbacher, die nach dem Aussterben der Hohenstaufen regierten.

Sie war die Ehefrau von Kasimir IV. dem Jagiellonen (Kazimierz IV Jagiellończyk), der ab 1440 Großfürst von Litauen und ab 1447 König von Polen war. Er war der jüngere Sohn von Ladislaus II. Jagiełło Władysław II Jagiełło), der die Jagiellonen-Dynastie begründete. Sein älterer Bruder und Vorgänger Ladislaus III. von Warna (Władysław III Warneńczyk), der auch zugleich als Ulászlo I./Vladislav I. König von Ungarn und Kroatien war, verstarb im bulgarischen Warna während einer Schlacht gegen das Osmanische Reich.

Durch die Heirat Elisabeths mit Kasimir IV. entstand das erste Ehebündnis zwischen den zwei großen europäischen Herrscherhäusern der Habsburger und Jagiellonen.

Die Krönung erfolgte im Jahre 1454. Die Ehe dauerte für damalige Zeiten unglaubliche 38 Jahre. Sie hatte also viel Zeit, um 13 Kinder zu gebähren.

Elisabeths Aussehen war erschreckend…

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Elisabeth von Habsburg

Elisabeth war nicht sonderlich schön. Sie soll sogar so häßlich gewesen sein, dass der König die Einfahrt der Braut nach Krakau um drei Tage verzögerte. Die Gefolgsleute von Elisabeth befürchteten sogar, dass er es sich vielleicht anders überlegt hat. Als man die Überreste Elisabeths  1973 auf  Initiative von Kardinal Karol Wojtyła, dem späteren Papst Johannes Paul II., untersuchte, wurden die bösen Gerüchte bestätigt. Ihr Aussehen war in gewißer Weise erschreckend – und das wörtlich. Sie hatte einen Buckel, war stark zur Seite gebogen, hatte einen unförmigen Kopf, dessen rechte Seite schwächer entwickelt war als die linke Seite, sie hatte ein langes und schmales Gesicht sowie stark

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Habsburger Unterlippe bei Karl II. / Robb [CC BY-SA 3.0 – wikimedia]

nach vorne ausstehende und fast flach auf der Unterlippe liegende Schneidezähne. Die Habsburger Unterlippe hat also auch hier zugeschlagen. Die drei Tage waren, wie es scheint, nötig, um den König davon zu überzeugen, dass nicht das Aussehen das wichtigste ist, sondern das Wohl des Königreiches und seiner Untertanen. Aber immerhin war Elisabeth eine treue und ergebe Gefährtin.

Sie starb im Jahre 1505 in Krakau und wurde auf dem Wawelberg in der Krakauer Kathedrale in der Hl.-Kreuz-Kapelle beigelegt.

Włodzimierz Dworzaczek (1905-1988) veröffentlichte 1959 ein zweibändiges Werk Genealogia, in welchem er unter anderem Bewies, dass in jedem heutigen Herrscherhaus Jagiellonenblut fließt.

Ihre Kinder

Sie hatte insgesamt 13 Kinder. Zwei Töchter, welche beide Elisabeth hießen, starben schon im Kindesalter. Alle anderen erreichten ein für damalige Zeiten ordentliches Alter. Sigismund I. der Alte wurde sogar 81 Jahre alt.

1. Ladislaus (Władysław) 1456-1516

Władysław war seit 1471 König von Böhmen (tschechisch Vladislav Jagellonsky) und seit 1490 König von Ungarn und Kroatien. Seine erste Frau war Barbara Hohenzollern, doch diese Ehe blieb kinderlos. Seine dritte Frau Anne de Foix-Candale brachte Ludwig II. (Ludwig II Jagiellończyk) auf die Welt, welcher 1509/1508 zum König von Böhmen (Ludwig I.), Ungarn und Kroatien gekrönt wurde. 1515 wurde er von Kaiser Maximilian I. Habsburg adoptiert und heiratete 1522 seine Enkelin Maria Habsburg.

Ladislaus Tocher Anna Jagiellonica heiratete Ferdinand I. Habsburg, den späteren Kaiser des Heiligen Römischen Reiches.

2. Hedwig Jagiellonica (Jadwiga) 1457-1505

Sie war von 1479 bis 1502 Herzogin von Bayern-Landshut als Gemahlin von Herzog Georg dem Reichen aus dem Hause Wittelsbach. Erwähnenswert ist, dass die Hochzeit dieses Paares als Leitmotiv der Landshuter Hochzeit genommen wird. Das historische Fest wird aktuell alle vier Jahre im Sommer aufgeführt. Das letzte Mal vom 30. Juni bis zum 24. Juli 2017.

3. Kasimir (Kazimierz) (Heiliger) 1458-1484

Obwohl er nur 26 Jahre alt wurde, reichte es, um heiliggesprochen zu werden (1602). In der Jagiellonen-Familie gab es zwei Heilige. Die erste war Hedwig von Anjou (Jadwiga Andegaweńska), die erste Gemahlin vom Gründer der Jagiellonen-Dynastie Ladislaus II. Jagiełło.

4. Johann I. (Jan I Olbracht) 1459-1501

König von Polen von 1492 bis 1501 als Nachfolger seines Vaters.

5. Alexander der Jagiellone (Aleksander Jagiellonńczyk) 1461-1506

König von Polen von 1501-1506 als Nachfolger seines älteren Bruders Johann I.

6. Sofia Jagiellonica (Zofia) 1464-1512

Sie heiratete im Alter von 15 Jahren Friedrich II. von Brandenburg-Ansbach-Kulmbach, welcher zur brandenburgischen Linie der Hohenzollern gehörte. Mit ihm hatte sie 17 Kinder, unter welchen auch Albrecht, der Hochmeister des Deutschen Ordens und erster Herzog von Preußen war. Einer seiner Nachfahren war Friedrich (II.) der Große.

7. Elisabeth (Elżbieta) 1465-1466

8. Sigismund I. der Alte (Zygmunt I Stary) 1467-1548

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Preußische Huldigung. Kniefall Albrechts von Preußen als erster Herzog von Preußen vor Sigismund I. dem Alten auf dem Marktplatz von Krakau am 10. April 1525

Nach dem Tod seiner Bruders Alexander war er König von Polen von 1507-1548. Während seiner Regentschaft erreichte das Königreich Polen das Apogeum der Jagiellonendynastie. Er regierte 41 Jahre, also etwas mehr als 1/5 des Bestehens der Dynastie. 1518 heiratete er Bona Sforza, die unter anderem den Salat nach Polen brachte. Bis heute nennt man das Suppengrün „Włoszczyzna“, also „das Italienische“ (Italien heißt auf polnisch Włochy).

Albrecht von Hohenzollern, der erste Herzog von Preußen, war sein Neffe.

Seine Tochter Katharina wurde 1562 mit Johann III., dem späteren König von Schweden, verheiratet. Ihr Sohn Sigismund regierte später 45 Jahre lang als Sigismund III. Wasa als gewählter König von Polen und König von Schweden (bis 1599).

Sigismunds Sohn Sigismund August war der letzte König aus der Dynastie der Jagiellonen auf dem polnisch-litauischen Thron. Unter seiner Herrschaft wurde die Polnisch-Litauische Realunion gegründet, die bis zur 3. Polnischen Teilung von 1795 bestand.

9. Friedrich Jagiello (Fryderyk Jagiellończyk) 1468-1503

Er war Bischof von Krakau, Erzbischof von Gnesen (Gniezno) sowie Primas von Polen.

10. Elisabeth (Elżbieta) 1472-1480)

11. Anna 1476-1503

Sie war verheiratet mit dem Herzog Bogislaw X. von Pommern (Bogusław X Wielki). Ihre Tochter Sophia war ab 1525 Königin von Dänemark.

12. Barbara 1478-1534

Sie heiratete den Herzog Georg den Bärtigen von Sachsen. Den Bart ließ er sich nach dem Tod Barbaras wachsen als Zeichen seiner tiefen Trauer.

13. Elisabeth (Elżbieta) 1483-1517

Sie war verheiratet mit Herzog Friedrich II. von Liegnitz. Nach ihrem Tod heiratete Friedrich II. die Tochter von Sofia Jagiellonica, also die Enkelin von Elisabeth von Habsburg. Es blieb alles irgendwie in der Familie.

Die Jagiellonen-Dynastie

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Größter Machtbereich der Jagiellonen-Dynastie Ende 15. Jahrhundert bis 1526

Diese Dynastie ruft bis heute sehr viele diskussionen hervor, da man sich nicht so recht einigen kann, ob ihre Herrschaft für die polnische Geschichte und Kultur vorteilhaft war oder nicht.  Auf der einen Seite schuffen ihre Mitglieder ein mächtiges Herrscherhaus, welches sich von Riga bis Budapest erstreckte. Das Polnische Goldene Zeitalter fählt ebenfalls in die Regierungszeit der letzten drei Repräsentanten auf dem polnischen Thron. Durch die Heirat Ladislaus II. Jagiełło und Hedwig von Anjou wurde der Grundstein für die spätere Lubliner Union geschaffen. Eine Realunion ohne seinesgleichen in Europa.

Auf der anderen Seite kritisiert man die Angewohnheitz der Jagiellonen nichts so wirklich zu Ende zu führen. Selten wurde eine Aufgabe angefangen und mit einer konkreten Entscheidung abgeschlossen. Die Jagiellonenn fingen zudem viele politische Baustellen entlang der unglaublich langen Grenze an ohne sich dabei wirklich sicher zu sein, dass es eine reale Möglichkeit gibt Nutzen daraus zu schlagen. Anders war es zu Zeiten der Piasten, die nur anfingen, was der Krone Vorteile brachte.

Das Königreich Polen und Preußen

Als Beispiel sollen die Jahrhunderte dauernden Zwistigkeiten mit dem Deutschritterorden und später Herzogtum Preußen dienen. Die allen Polen bekannte Schlacht bei Tannenberg von 1410 (Bitwa pod Grunwaldem) zwischen dem Deutschritterorden und dem Königreich Polen unter schwacher Teilnahme des Großfürstentums Litauen ist nach einhelliger Meinung der polnischen Geschichtsschreiber nicht genutzt worden, um den Orden vollständig aufzulösen. Die Möglichkeit dazu hätte man gehabt. Doch Ladislaus II. Jagiełło war unentschloßen und ging nur sehr zaghaft in Richtung Marienburg. Man hat das Gefühl, dass er wußte, dass die polnische Krone den größten Nutzen aus diesem Krieg ziehen würde, das das Großfürstentum Litauen in den Schatten stellen würde.

Der zweite Anlauf wurde während des Dreizehnjährigen Krieges von 1454 bis 1466 unternommen. Doch auch hier konnten sich die Jagiellonen nicht dazu zwingen, den Orden vollständig von der Landkarte zu streichen. Auch die Huldigung von 1525 von Albrecht I. Hohenzollern als erster Herzog von Preußen vor Sigismund I. dem Alten auf dem Krakauer Marktplatz, änderte nichts an der Tatsache, dass die Preußen nur auf den geeigneten Moment warteten, um sich aus dem Machtbereich des Königreiches Polen zu lösen. Die Schaffung eines weltlichen Herrschers dieses Kalibers statt die Einverleibung des ganzen Gebietes in die polnische Krone wird von vielen Historikern nicht verziehen. Wie es dann weiterging und 1945 endete, wissen wir alle.

Was bleibt, ist Geschichte.


Beitragsbild: Krone / Rob McGlynn [CC BY-NC-ND 2.0]

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