Beitragsinhalt

Warschau in einer Bau-Tollwut
Einzelne Projekte im Überblick
–          Wolkenkratzer
–          2017 – das Jahr der Büro-Upgrades
–          Erweiterung der Warschauer Metro
–          Erneuerung des städtischen Schienennetzes
–          Der Weichselboulevard
–          Ursa Smart City – ein Megaprojekt
–          Fahrradwege
–          Warschauer Ringstrasse
Es bleibt noch viel zu tun

Warschau hat eine Bau-Tollwut

warschau-baustelleSeit ich 2013 nach Warschau gezogen bin, war hier immer etwas im Bau. Es wurde renoviert oder restauriert, gehämmert und verputzt, die LKWs lieferten tonnenweise Beton und anderes Baumetarial und die Gerüste de- und installiert. Und heute im Jahre 2017?

Im Vergleich zu 2013 herrscht in Warschau ein regelrechter Bauboom. Na klar hat man das in den vergangenen Jahren ebenfalls schon gesagt – doch zeigt das nur, wie imposant und schnell die Steigerung auch in den Köpfen der Warschauer Bürger voranschreitet. Man könnte meinen, dass die Stadtverwaltung eine Bau-Tollwut bekommen hat, welche man nicht mehr stoppen kann. Das Ausmaß der laufenden wie die der dieses Jahr begonnenen Bauprojekte und derjenigen, die bald in die erste Bauphase eintreten werden , erreichen ein nie dagewesenes Ausmaß. 

Einzelne Projekte im Überblick

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Foto: Warsaw Spire / Antoni Wladyka / CC-BY-NC-SA

Bisher wurde das Augemerk auf die linksseitige Warsaw City gelegt. Dort wurden letztes Jahr u.a. der Warsaw Spire (bei den MIPIM Awards 2017 vom 14. bis zum 17. März in Cannes hat der Warsaw Spire den Titel „Best Office & Business Development“ gewonnen) und der Q22 eröffnet. Mit der Eröffnung des Bürokomplexes West Station I + II am Westbahnhof hat Warschau die 5-Millionen-Marke bei der Bürofläche überschritten.

Viele neue Wohnviertel sind ebenfalls hauptsächlich links von der Weichsel entstanden. Doch nun erlebt das rechtsseitige Warschau, welches man fälschlicherweise unter dem gemeinsamen Namen „Praga“ zusammenfasst, eine architektonisch Renaissance. 

 

Wolkenkratzer

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Foto: Pressefoto des Investors

Momentan sind mindestens 12 Gebäude im Bau oder in Planung, die die Höhe von 100 Metern übersteigen werden. Darunter befindet sich der Varso-Tower, der mit seinen 310 Metern das momentan höchste sich im Bau befindende Gebäude in der EU ist (noch Großbritannien mitgerechnet). Nur am Kreisverkehr Rondo-Daszynskiego, wo auch der Warsaw Spire im Mai 2016 eröffnet wurde, werden der Generation Park 180m, der Spinnaker Tower >200m,  The Warsaw Hub 113 und der Skyliner 195m gebaut. Zusammen werden diese Gebäude die Westgrenze der Warsaw City bestimmen – zumindest für den Moment.  Schon jetzt gehört Warschau neben Moskau, London und Frankfurt/Main zu den höchsten Städten Europas. Bei diesem Tempo wird die polnische Hauptstadt in 5-6 Jahren ihre Position festigen können. Dann werden andere Warschau einholen müssen. 

2017 – das Jahr des Büro-Upgrades

Obwohl einige Wolkenkratzer im Bau sind, spricht die Presse dieses Jahr von einem Jahr der Renovierungen und Gebäudeerweiterungen. Das liegt daran, dass dieses Jahr viele Projekte gebaut, allerdings nicht fertiggestellt werden. Man merkt tatsächlich, dass es kaum einen längeren Straßenabschnitt gibt, wo ein Gebäude nicht mit einem Stahlgerüst zugedeckt wurde. 

Erweiterung der Warschauer Metro

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Foto: Warschauer Metro / Antoni Wladyka / CC-BY-NC-SA

Die Warschauer Metro besteht momentan aus lediglich 2 Linien – M1 und M2. Die erste Linie durchzieht die Stadt von Nord nach Süd und die Linie 2 von West nach Ost.

Stadtplan mit der U-Bahn-Strecke

Verwirklich wird gerade das Projekt 3 + 3 – die Linie M2 wird um jeweils 3 Stationen erweitert. Danach geht es weiter. Die ulica Gorczewska, an welcher auch ich lebe, wurde geschlossen, was bis 2019 eine herbe infrastrukturelle Einbuße darstellt. Doch es lohnt sich zu warten, denn ab 2019 verkürzt sich mein Weg in die Innenstadt erheblich. Zusätzlich wird eine wichtige Hauptschlagader der Stadt komplettsaniert und hoffentlichen werden viele Autofahrer auf öffentliche Verkehrsmittel umsteigen. 

Erneuerung des städtischen Schienennetzes

Mit dem Bau der Metro steht auch die Erneuerung des Warschauer Schienennetzes im Zusammenhang. Zum einen werden fast alle Schienen neu verlegt, neue Stationen entstehen und es wird,, wo es möglich ist, eine Verbindung zwischen der Metro, dem Schienennetz, dem Busverkehr und dem S-Bahn-Netz hergestellt. 

Am Westbahnhof der Stadt wird eine unterirdische S-Bahn-Station gebaut, welche einen direkten Umstieg von der S-Bahn in den nationalen wie internationalen Schienenverkehr ermöglichen wird. Zeitgleich wird der Süden der Stadt mit dem nördlichen Teil via Straßenbahn erreichbar sein. Bisher musste man ein kleines Stück mit dem Bus oder zu Fuß zurücklegen. 

Der Weichselboulevard

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Foto: Weichsel in Warschau / Antoni Wladyka / CC-BY-NC-SA

Die Weichsel ist DIE Neuentdeckung des 21. Jahrhunderts in Warschau. Die Königin unter den polnischen Flüssen entwickelt sich zum Lieblingsort der Warschauer (im Sommer). Für mehr verweise ich auf meinen Beitrag auf meiner Stadtführerseite http://www.stadtfuehrer-warschau.com zum Beitrag. 

Ursa Smart City – eine Megaprojekt

Auf ca. 220 ha entsteht im südwestlichen Bezirk Ursus eine Megaprojekt. Auf diesem Gelände befand sich die die Firma Ursus, welche Landmaschinen und Traktoren herstellte. Nun liegt das Grundstück brach und erwartet eine Neubelebung. Insgesamt entstehen hier 740.000 m² Nutzfläche, wovon 450.000 m² als Wohnfläche genutzt werden sollen. Das Bauprojekt stellt 25% des Bezirks Ursus dar. 

Fahrradwege

Als ich im akadmischen Jahr 2008/2009 an der Uni Warschau studiert hatte, wurde jeder Vorschlag einer Fahrradtour abgewunken. Das wurde damals als idiotischer Selbstmordversuch abgestempelt. Mittlerweile hat Warschau das 5-größte städtische Fahrradverleihsystem in Europa  und dank des kommunistischen Baustils – lies: sehr breite Straßen und viel Raum zwischen den Gebäuden – kann man heute in Warschau nahezu überall Fahrradwege verlegen. Allein dieses Jahr sollen 100 Kilometer Fahrradwege dazukommen. 

Warschauer Ringstraße

Diese ist noch nicht ganz fertig – leider. Es fehlen noch ca. 25 %, hauptsächlich im östlichen Teil der Stadt. Momentan wird der längste Tunnel in Polen gebaut, damit ein gutes Stück Straße nicht mitten durch Wohnviertel verläuft. In ein paar Jahren kann man dann auf dem über 80 Kilometer langen Ring jeden Ot in der Stadt in kürzester Zeit erreichen. 

Es bleibt noch viel zu tun

Man muss dabei eines beachten – Warschau benötigt diese Investitionen dringend. In westeuropäischen (Haupt)-Städten sind Ringstraßen, U-Bahn-Strecken und weitreichende brachliegende ehemalige Industrieflächen eher selten anzutreffen. Daher erfreut es, vor allem mich, dass die Stadt diesen Bedarf erkennt und ihn abdeckt. Man sieht, dass das Geld investiert wird und die Bürger der Stadt einen großen Nutzen davon ziehen. Selbstverständlich hat die Finanzierung seitens der Europäischen Union einen großen Anteil daran. Warschau würde solch großangelegte Projekte selber nicht stemmen können. Allein die Metro-Erweiterung könnte sich aus finanzieller Sicht als nahezu unmöglich erweisen. 

Und so geht es hoffentlich weiter – es macht Spaß hier zu leben, weil man an der Entwicklung teilnehmen kann. 

Am besten Sie überzeugen sich selbst!

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Kulturpalast / Antoni Wladyka / CC-BY-NC-SA

 

 

 

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