Beitragsinhalt

Nach dem Smog kommt Frischluft
Die Swietokrzyska-Straße kann bald auftatmen
  • Straßenverlauf und Umgebung auf dem Stadtplan
Demokratie auf Lokalebene
Das Projekt konkret
  • Swietokrzyska-Straße
  • Platz der Warschauer Aufständischen

Nach dem Smog kommt Frischluft

Nach dem Bericht über den Smog-Alarm in Warschau Anfang des Jahres möchte ich nun auch die andere Seite vorstellen. Die Warschauer Stadtverwaltung schaut beim Thema Smogalarm nicht weg und man merkt, dass es hier in die richtige Richtung geht. Ganz zu schweigen auf anderer politischer Ebene. 

Die Swietokrzyska-Straße kann bald aufatmen

swietokrzyska-warschau

Foto: So sieht es momentan aus 

Die ulica Swietokrzyska, welche während des Baus der 2. Metrolinie komplett renoviert wurde, konnte nach über 2-jähriger Schließung ab September 2014 endlich für den Verkehr freigegeben werden. Diese Straße gehört zu den wichtigsten Verbindungswegen zwischen West- und Ostwarschau. Eine Schließung ist für die Warschauer immer sehr schmerzhaft. Zusätzlich verläuft sie mitten durch die Innenstadt und durchkreuzt den nördlichen Königstrakt. In mittleren Verlauf der Straße steht auf der Südseite der Kulturpalast, das höchste Wohngebäude in Polen Zlota 44, der Hauptbahnhof und die wichtigsten Hotels wie das Mariott-Hotel, Polonia-Palace oder das Novotel Centrum. Als Tourist werden Sie irgendwann mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit diese breite Straße betreten. 

Straßenverlauf und Umgebung auf dem Stadtplan

swietokrzyska-warschau< Foto: so soll es im Mai aussehen

Eines wurde bei den Umbauarbeiten jedoch vergessen: Bäume! Das möchte die Stadtverwaltung nun nachholen. Für den Erhalt der Straßen ist der Zarzad Drog Miejskich – also die Straßenverwaltung – zuständig. Der erneute Umbau der Straße umfasst u.a. das Pflanzen von mehr als 200 Bäumen auf der ganzen Länge – wie auf dem Stadtplan eingezeichnet. Der Grund für die erneute Umgestaltung ist die lautstark geäußerte Unzufriedenheit der Warschauer Bewohner. Diese hatten schon vor der Eröffnung 2014 bemängelt, dass es hier zu wenig Grün gibt und dass die riesigen Baumtöpfe nicht wirklich Ihren Zweck erfüllen. Der Beton dominiere nämlich immer noch das Straßenbild. Die Stadtverwaltung hielt damals dagegen, dass man keine Bäume auf traditionelle Art pflanzen könne, weil sonst die unterirdischen Leitungen beschädigt würden. Immerhin hat dieses Argument die Plausibilitätskontrolle bestanden – davon könnte sich die Regierung ein Stück abschneiden. 

Zusätzlich will man sich dem anliegenden Platz der Warschauer Aufständischen widmen, auf welchem ebenfalls zahlreiche Töpfe mit halbwüchsigen Bäumen stehen. Um ehrlich zu sein – mir gefällt es auch nicht.  Aber immerhin – die Töpfe sind bunt. 

Demokratie auf Lokalebene

Im Rahmen des partizipativen Haushalts entschieden sich die Warschauer für eine Vergrünlichung der Straße. Koste es, was es wolle. Es stellte sich nämlich heraus, dass man die Bäume nun doch pflanzen könne. Die Stadtverwaltung konnte überzeugt werden und leitete alles Nötige in die Wege. Die Ausführung wurde Anfang Februar 2017 verkündet und im Mai 2017 soll schon alles fertig sein. 

Die Firma Palmett wird die Umgestaltung ausführen. Die Kosten belaufen sich auf 6 Millionen PLN, also ca. 1,5 Millionen Euro. Eine Stadt wie Warschau kann sich ein solches Projekt sicherlich leisten. 

Und hier bitte merken: die Staats-Regierung ist nicht die Stadtverwaltung und Jaroslaw Kaczynski ist nicht Polen! 

Das Projekt konkret

Swietokrzyska-Straße

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> Foto: So soll es aussehen – im Hintergrund das InterContinental. Mit 164 Metern das dritthöchste Hotel Europas.

Es sollen 190 Platanen (Baumkunde.de), 4 Hainbuchen (baumkunde.de) und 18 Higan-Kirschen (baumkunde.de) ihren verdienten Platz in der Warschauer Betonlandschaft bekommen.Die Platanen und Hainbuchen sollen ca. 8 bis 9 Meter hoch und einen Umfang von 30-35 Zentimetern haben. Die Higan-Kirschen werden 2,5-3 Meter hochragen. Auf der ganzen Länge entsteht eine Hecke aus Zwergmispeln (40.000 Setzlinge). Zusätzlich werden Tausende Stauden und Blumen die Straße zieren.  

Platz der Warschauer Aufständischen

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<Foto: die berühmten Riesentöpfe auf dem Platz der Aufständischen

Der über 1000 m² große Platz wurde leider nicht sonderlich schön dekoriert. Dort stehen zahlreiche bunte Töpfe mit sehr ärmlich aussehenden Sträuchern – angeblich sollen das auch Bäume sein. Die Warschauer wollten hier eine Art „Park“ – und den bekommen sie nun. Mehr als 1000 Purpur-Weiden und Kriech-Weiden sowie 25 Silber-Linden werden ab Sommer 2017 den Platz endlich Sommertauglich machen. Zusätzlich will man dort Straßeninstrumente und 2 Trampoline hinstellen. Die Linden werden in stälernen Töpfen gesetzt, damit sie besser umgetöpft werden können, wenn in ein paar Monaten im Untergrund ein Parkplatz entsteht. Endlich denkt man etwas voraus. 

Also – ich schaue mir das im Mai mal genauer an!

 

 

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