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Standort
Der Defiladenplatz
Das höchste Gebäude Polens und Europas ewiger Zweiter
Architektur
„Stalins Rache“
Funktion des Gebäudes
Basisdaten

Standort

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Kulturpalast in Blau by Jason Pitcher / CC BY-NC-ND 2.0

Die Adresse des Kulturpalastes lautet Plac Defilad 1 (Defiladenplatz 1). Umgeben ist das Gebäude samt Platz von den Straßen Aleje Jerozolimskie, Emilii-Plater, Marszałkowska und Świętokrzyska – außer der Emilii-Plater-Straße sind das die wichtigsten Verbindungswege in der polnischen Hauptstadt. Im Süd- und Nordosten befinden sich die Metro-Stationen Centrum und Świętokrzyska. Südwestlich vom Palast steht der Zentralbahnhof, welcher unterirdisch mit der Einkaufsmall Goldene Terrassen (poln. Złote Tarasy) verbunden ist. In unmittelabrer Nähe stehen viele große Hotels wie das Mariott-Hotel im LIM-Centrum (170 Meter), das Polonia-Palace oder das Novotel (110 Meter). Wenn Sie also Zimmer reservieren möchten, lohnt es sich nachzufragen, ob Sie einen schönen Ausblick auf den Kulturpalast haben können. Vor allem am Abend ist er unglaublich bunt, denn der Palast wird jeden Abend in einer anderen Farbe angestrahlt.

Zur Hauptpromenade Krakowskie-Przedmieście und zur Gastronomiemeile Nowy-Świat sind es zu Fuß ca. 15 Minuten. Zur Altstadt benötigt man ca. 25 – 30 Minuten.

Der Haupteingang des Kulturpalastes befindet sich im Osten. Sie gelangen in den Palast von der Marszałkowska-Straße aus kommend.

Stadtplan und Umgebungskarte des Kulturpalastes

Der Defiladenplatz

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Defiladenplatz und die Marszałkowska-Straße. Dahinter die sogen. Ostwand aus den 60ern by Penn State University Libraries Architecture and Landscape Architecture Library / CC BY-NC 2.0

Auf diesem Platz fanden die wichtigsten staatlichen Feierlichkeiten in der Volksrepublik Polen (1944-1989) statt. In erster Linie die Paraden des 1. Mai, die den Bewohnern des Landes zeigen sollten, in welch herrschaftlichen Paradies sie leben. In Wahrheit waren es Brot und Spiele für das Volk. Irgendwie musste man verdecken und vor allem beruhigen.

In der Mitte des Platzes wurde eine Ehrentribüne aus Stein aufgestellt. Dort kann man noch bis heute den Polnischen Adler aus der Zeit der Volksrepublik sehen – also ohne Krone und Kreuz.

Heute sieht es dort eher trist aus. Die Unordnung, welche durch den Parkplatz für Autos und Reisebusse entsteht, lässt dort keinen echten Platz erkennen. Ab 2017 wird sich das allmählich ändern. Der neue Bebauungsplan wird die weite Betonfläche endlich zum Platz für die Menschen werden lassen. Bisher war es ein Trainingsring für die Paukenschläger vom 13. Dezember 1981, Schießübungsplatz für die Armee von 1956 und Psychotherapiesitzung für die Parteigenossen an jedem 1. Mai.

Nach 60 Jahren wird er endlich Treffpunkt für Mensch und Tier und wird dem rechtmäßigen Eigentümer übergeben.

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Das höchste Gebäude Polens und Europas ewiger Zweiter

 Der Kulturpalast wurde in 3 Jahren fertiggestellt und 1955 eröffnet. Der Stil ähnelt sehr dem Empire-State Building in New York, doch ist das nicht so einfach. Als Unterart des Sozialistischen Realismus können Sie hier echten Sozialistischen Klassizismus bewundern. Merkmale sind unter anderem palastartige Bauformen, Säulen und gigantische Empfangshallen. Allgemein ist eine Herrschaftsarchitektur zu erkennen. Natürlich wollten die Sowjets nach dem gewonnenen Krieg ihre Machtposition nach außen präsentieren und zeigen, wer der Herr der Welt ist. Nach dem Tod Josef Stalins erfolgte eine Ent-Stalinisierung und somit auch eine Ent-Sozrealisierung der sowjetischen Architektur.

Die Gesamthöhe betrug anfangs noch 230,68 Meter. 1994 wurde noch eine Antennenstütze installiert und seitdem hat das Gebäude 237 Meter. Damit ist der Kulturpalast bis heute das höchste Gebäude Polens. Leider fehlten 3 Meter um die Lomonosov-Universität einzuholen und somit blieb der Kulturpalast der ewige zweite in Europa. Wäre Polen Mitglied der Europäischen Gemeinschaften gewesen, dann wäre dieses Gebäude bis 1990 das höchste Gebäude dieser edlen Organisation. Aber was nicht ist, kann ja noch werden – jetzt ist Großbritannien nicht mehr Mitglied der noch edleren Europäischen Union, also kann es auch mal passieren, dass ein Gebäude plötzlich aus der Statistik verschwindet. Im Januar 2017 wurde zudem Bekannt gegeben, dass ein viel höheres Projekt gestartet ist. Unweit des Kulturpalastes, auf der anderen Seite der Aleje Jana Pawla II werden die Fundamente gelegt für das höchste Gebäude der Europäischen Union (hier sogar noch mit Großbritannien). Der Varso Tower wird 310 Meter hoch.

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Architektur

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Kulturpalast in Warschau by A. Władyka / CC BY-SA 2.0

Der verantwortliche Architekt war Lev Vladimirovitch Rudnev. Er hat auch die Lomonosov-Universität projektiert. Ich würde mich gar nicht wundern, wenn die Bosse in Moskau bestimmt hätten, dass das Gebäude in Warschau nicht höher sein darf als die Universität in Moskau.

Lev Rudnev ist zunächst durch Polen gereist, um nationale Architekturmerkmale in den Kulturpalast zu integrieren. Daher kommt es, dass Sie auf den unteren Partien des Gebäudes Elemente der polnischen Attika wiedererkennen werden. Solche finden Sie auch auf dem Dach der Tuchhallen in Krakau. Auch Zamość und Lublin hat er mit diesem Ziel besucht und analysiert. Bemerkenswert ist, dass die Parteichefs solche individuellen Ideen zugelassen haben. Immerhin wollte der Bolschewismus nationales und ethnisches Gedankengut eliminieren.

Der untere Teil des Palastes besteht aus Sandstein, das obere Drittel hingegen wird von aufgesetzten Keramikplatten bedeckt.

„Stalins Rache“

stalinDas ist nur eines der Spitznamen, welche die Warschauer diesem damals sehr nützlichem Gebäude verpasst haben. Weitere waren „Stalinstachel“ oder „Stalins Torte“. Offiziell war es ein Geschenk der Sowjetunion an die Volksrepublik Polen. Wenn Sie sich Kriegsfotos anschauen, die die Ausmaße der Zerstörungen zeigen, dann werden Sie feststellen, dass es dort im Prinzip keine Stadt mehr gab. Von über 1 Million Einwohnern haben die Russen am 17. Januar 1945 nur noch knapp 15.000 Überlebende „befreit“. Die Warschauer wissen ganz genau, was es heisst heute in Aleppo zu sein oder gar dort leben zu müssen.

Es wäre also alles andere ein schönes Geschenk – außer eben dieser Koloss. Zu all dem Übel kommt hinzu. dass man von den wenigen erhaltenen Gebäude noch weitere zerstören musste, um Platz zu schaffen für Stalins Prachtbau. Stellen Sie sich vor wie es zwischen der Bevölkerung und dem Kommunismus gefunkt haben muss – über 900.000 Menschen hat die Stadt verloren, die ganze Industrie war weg, 80 Prozent der Wohnfläche zerstört, die Altstadt ist „verschwunden“ und die Herren der Welt bauen Ihnen einen Kulturpalast mit Büroräumen! Wenn Sie ein Packet nach Aleppo schicken und dort eine Playstation 4 reinstecken, dann wird man Ihnen sicherlich auch dankbar sein.

Funktion des Gebäudes

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Kongresshalle als Teil der Bebauung des Kulturpalastes by A. Władyka / CC BY-SA 2.0

Natürlich ist der Kulturpalast ein Denkmal oder eine Art Sehenswürdigkeit. Doch offiziell ist es ein Bürogebäude mit einer Nutzfläche von 123.000 m². Dadurch, dass die Fläche in kleinere Büroräume aufgeteilt ist, wählen nur kleine oder mittelgroße Firmen den Kulturpalast als Hauptsitz aus. Die Warteschlange ist lang und von den 3188 Räumen steht nie einer frei.

Außerdem finden Sie dort Kinos, Theater, Museen, ein Casino und ein Jugendzentrum.

Auf dem 30. Stockwerk in 114 Metern Höhe gibt es zusätzlich noch eine Aussichtsplattform. Von da aus, so sagt man im Warschauer Volksmund, haben Sie den schönsten Blick auf Warschau, weil Sie den Kulturpalast nicht sehen.

Basisdaten

Adresse Plac Defilad 1 (Stadtplan)
Stadtbezirk Innenstadt
Internetseite www.pkin.pl (PL+EN)
Beschreibung
Gesamthöhe 237 m
Höhe zum Dach 187 m
Material Sand/Sandstein/Keramik
Stockwerke überirdisch 43
Stockwerke unterirdisch 2
Hauptfunktion Kultur, Wissenschaft und Büro
Gesamtfläche 123.000 m²
Nutzfläche
Fertigstellung 1955
Anmerkungen

Die Uhr wurde in der Silvesternach 1999/2000 installiert. Das ist die zweitgrößte Uhr auf dem europäischen Kontinent und die zweithöchste dieser Art nach der Uhr auf dem DoCoMo-Tower. Das Gebäude hat 3188 Räume. Architekturstil: Sozialistischer Klassizismus als Unterart des Sozialistischen Realismus (auch: stalinistischer Zuckerbäckerstil, Stalingotik)

Stand 29.08.2017

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