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Analogie zu den Wahlen 2015 in Polen
Warschau und Donald Trump
Polen und Donald Trump
Was nun?
Link zu meinem Artikel auf Polen-Heute.de

Analogie zu den Wahlen 2015 in Polen

Als im Mai 2015 der polnische Präsident gewählt wurde, war sich Komorowski ziemlich sicher, dass seine Amtszeit verlängert wird. Sein selbstsicheres Auftreten wurde herbe bestraft. polen-wahl-2015

Als im Oktober 2015 das polnische Parlament gewählt wurde, war sich die regierende Partei PO (Bürgerplattform) ziemlich sicher, dass sie auch die nächsten 4 Jahre regieren darf. Die tollen Analysten wurden des Besseren belehrt.

Die Analogie zu der Wahl in den Vereinigten Staaten ist nicht zu verkennen. Hillary Clinton wurde in den eigenen Reihen mit „Mrs President“ angesprochen. Es wundert mich, dass alle diese Leute, in Polen wie in den USA, nicht erkannt haben, dass die Welt seit einigen Jahren etwas anders tickt. Vielleicht hätten sie ihre Schreibtische mal verlassen sollen. Schließlich lernt man vor Ort am besten.

Die nun regierende Recht und Gerechtigkeit (PiS) glaubt aus irgendeinem Grund, dass die Republikaner hinter den Polen stehen, weil beide Gruppierungen dem „rechten“ Lager angehören und beide ihre Heimatländer vor den von außen kommenden bösen Einflüssen schützen. Man ist also irgendwie seelenverwandt, denkt man sich. Fragen Sie mich jetzt bloß nicht, wer denen diese schlechte Analyse verkauft hat. Eines ist jedoch klar. Warum sollten die jetzigen Regierungsmitglieder gute Berater an deren Seite haben, wenn die Polen doch stets alles besser wissen? So ein Jaroslaw Kaczynski zum Beispiel – er weiss alles. Er weiss unter anderem, was vergewaltigte Frauen durchmachen – er weiss, dass Kinder, die definitiv verformt zur Welt kommen, auch zur Welt kommen wollen, weil ihnen nichts anderes am Herzen liegt, als vor ihrem Tod nochmal getauft zu werden – er weiss auch, wer in Polen Pole ist und wer nicht, wer Pole sein darf und wer am besten das Land verlassen sollte. Jetzt hat sich hier eine kleine Regression eingeschleust, wofür ich mich entschuldigen muss. Doch probieren sie es mal selber aus. Schauen Sie sich auf Youtube irgendetwas von ihm an und bleiben Sie dabei mal ruhig und gelassen. Kehren wir also zurück zu Donald Trump.

Warschau und Donald Trump

Warschau kann aus Prinzip nicht auf der Seite Jaroslaw Kaczynskis oder Donald Trumps sein. Der Grund ist selbsterklärend: Die polnische Hauptstadt war immer schon Mittelpunkt polnischen liberalen Denkens und bis heute hat sich daran nicht viel geändert. Menschen wie die geehrten Herren Kaczynski und Trump wollen uns jungen Menschen sagen, wie wir zu Leben haben und bieten uns einen Lebensstil aus dem 19. Jahrhundert an. Wir können uns bestens um uns selber kümmern. Dass das Leben in Polen nämlich noch zu ertragen ist, liegt eben daran, dass das Land einen demokratischen Aufbau hat, auch wenn Ihnen die westeuropäischen Medien etwas anderes erzählen (müssen). Dass eine Partei die Sejm-Wahlen gewinnt, heisst nicht automatisch, dass die Städte nun der polnischen Regierung unterstehen. Die Städte unterstehen eigenen Regeln und somit auch eigenen Stadt- wie Bezirksparlamenten. In Warschau hat die PiS in nur 2 von 18 Bezirksparlamenten eine Mehrheit. Wenn Sie sich zudem unsere warschauer Geschichte anschauen, haben alle großen Revolutionen und Aufstände in Warschau ihren Ursprung. Dabei hat sich der Haß und die Feindschaft stets gegen Fremde gerichtet. Nun kann es eventuell passieren, dass es in Polen zum ersten Mal einen Aufstand geben könnte, der sich gegen die eigenen Landsmänner richtet.

Wie Sie sehen können, ist man in Warschau eher kein Trump Anhänger – aus Prinzip, aus der festen Überzeugung, dass Warschau liberal ist und bleibt, dass hier jeder seinen individuellen Weg gehen kann, dass hier jeder sein kann, wer er will. Natürlich zeigt das Fernsehen etwas anderes, doch was sollte es denn sonst zeigen, damit Sie nicht umschalten?

Dabei sei eines gesagt: es waren in beiden Fällen demokratisch durchgeführte Wahlen und deshalb kann nicht von einer fehlenden Legitimierung gesprochen werden. Allerdings hört staatliche Macht dort auf, wo individuelle Freiheit (ohne Drittwirkung) anfängt.

Polen und Donald Trump

Warschau ist nun mal nicht Polen und schon gar nicht repräsentativ für das ganze Land. Und hier liegt auch der Grund für die Wahlsiege in Polen und Ungarn, bei den Landtagswahlen in Deutschland, für den Brexit und für den Wahlsieg des 45. Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika. Die ganze Welt hat scheinbar vergessen, dass es auch Menschen gibt, denen es nicht so gut geht. Die Bürgerplattform in Polen dachte, dass man gut über die Runden kommt, wenn man der Stadtbevölkerung, der Industrie und den ausländischen Firmen gibt, was sie wollen. Derweilen leben 60 Prozent der Polen auf dem Land. Denen ist es egal, wieviele Wolkenkratzer in Warschau gebaut werden. Die interessiert nur, ob sie es schaffen bis zum nächsten Gehalt. Genau diese 60 Prozent haben Jaroslaw Kaczynski zu dem gemacht, was er heute ist – ein Möchtegern-Lech-Walesa.

Deswegen auch haben die Republikaner in den USA gewonnen, denn New York ist sicherlich eine schöne Stadt, aber wer dächte nur, dass es in Alabama kleine Städte gibt, die keine ordentliche Strom- und Wasserversorgung haben? Die klugen Köpfe mögen es nun Populismus nennen – ich nenne es schlicht GEHÖRLOSIGKEIT der Eliten. Der Unterschied bei beiden ist klar – die Verantwortung – beim Populismus ist der Andere Schuld. Die eigene Gehörlosigkeit festzustellen würde die Verantwortung umdrehen. polen-trump

Dummerweise gibt es keinen Arzt, der das feststellen kann. Es bleibt also abzuwarten, ob diese Eliten nicht auch Blind sind. Denn dann haben Sie nur noch ihre Gehirne zur Verfügung – auf die man sich mittlerweile auch nicht mehr verlassen kann.

Was nun?

In Warschau wartet man ab. Grundsätzlich ist das Interesse an Politik in der polnischen Hauptstadt nicht sonderlich groß. Das liegt aber auch daran, dass hier nach den Sejmwahlen erstmal alles geblieben ist, wie es war. Man weiß aber, dass ohne den USA die Unabhängigkeit des ganzen Landes in Gefahr ist. Dass die Europäer uns nicht nur nicht beschützen können, sondern auch nicht wirklich beschützen wollen, das wissen wir mittlerweile. So hofft man, dass Trump die Soldaten aus Osteuropa nicht nur nicht abzieht, sondern vielmehr aufstockt. Bis dahin – locker bleiben.

Auf dem folgenden Link geht es zu meinem Zeitungsartikel, den ich zu diesem Thema auf http://www.polen-heute.de verfasst habe. Die Überschrift lautet: Polnische Reaktionen auf Trump-Wahl

Mein Artikel zum Thema auf www.polen-heute.de

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Ein Mal in der Woche wird auf der Internetseite www.polen-heute.de ein von mir verfasster Artikel veröffentlicht. Das Thema darf ich mir selber aussuchen. Bei der Wortwahl bin ich frei und werde sonst nicht eingeschränkt.

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